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Bamberger Symphoniker

(Anna Vinnitskaya / Petr Popelka)

Wo

Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal, Erlangen

Tag

Uhrzeit

Besetzung

Anna Vinnitskaya, Klavier
Petr Popelka, Leitung

Programm

Lili Boulanger
„D´un matin de printemps”

Sergei Rachmaninow
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 fis-Moll op. 1

Lili Boulanger
„D´un soir triste”

Robert Schumann
Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38, „Frühlingssymphonie”

Anna Vinnitskaya

Die schöne Russin mit Sendungsbewusstsein: Ein Leben ist nicht genug, wenn es sich um eine so starke Künstlerin und Persönlichkeit wie Anna Vinnitskaya handelt. Also lebt diese Weltklassepianistin mehrere Leben: Eines als Pianistin mit internationalen Auftritten, eines als Hochschulprofessorin und eines – das ist ihr auch wichtig – als Familienmensch mit Mann und zwei Kindern. Wie sie das schafft? Mit Strenge und Disziplin: „Anders geht das eben nicht.“

Es zeugt von großem Selbstbewusstsein, nein, von Sendungsbewusstsein, wenn die Pianistin Anna Vinnitskaya offenen Blicks in die Kamera schaut und folgendes Statement abgibt: „Ich hab mir nie die Frage gestellt, möchte ich eine Pianistin werden oder nicht. Das Klavier war bei mir, immer da, und es lief einfach.“ Leise fügt sie hinzu: „So ist das.“ Auch die deutsche Sprache läuft bei der 39-jährigen russischen Pianistin perfekt, denn sie lebt seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. Anna Vinnitskaya stammt aus einer Musikerfamilie von Pianisten und Dirigenten, wo Musik immer das Hauptthema spielte. Ihre Kinder- und Jugendjahre verbrachte sie in Noworossijsk (am Schwarzen Meer) und Rostow. Dort war sie bei erstklassigen Lehrern und erinnert sich: „Ich spiele Konzerte seit ich sieben Jahre bin, und ich habe mich immer auf der Bühne sehr gut gefühlt.“ Diese Freude beim öffentlichen Präsentieren ist bei der attraktiven Pianistin sicht- und hörbar, begeistert in verblüffender Virtuosität und Musikalität.

Mit 18 Jahren schickten ihre Eltern sie nach Hamburg, wo sie unter anderem bei keinem Geringeren als Jewgeni Koroljow, dem Philosophen unter den Pianisten, studierte. Sie sagt über ihre erste Zeit in Deutschland: „Ich war nicht selbstständig. Es war eine harte und lehrreiche Zeit. Auch Koroljow brachte mir bei, musikalisch selbstständig zu sein: ´Durch Musik kannst du dich ausdrücken. Es ist nicht nur ein Beruf, es ist dein Leben.´“

Viele renommierte Preise und Wettbewerbe hat sie gewonnen. Der Durchbruch kam mit dem 1. Preis des Concours Reine Elisabeth 2007. Dieser bescherte ihr großartige Konzertauftritte mit erstklassigen Orchestern wie dem Gewandhausorchester, den Münchner Philharmonikern, den Berliner Philharmonikern, dem Royal Philharmonic Orchestra. 2009 wurde sie mit 25 Jahren die jüngste Professorin Deutschlands an der Musikhochschule in Hamburg.

Anna lebt ihr Leben – inzwischen mit Mann und zwei Kindern – selbstbestimmt, wenn sie sagt: „Ich spiele nur die Werke, mit denen ich etwas sagen kann.“ Russische Komponisten wie Rachmaninow, Prokofiev, Schostakowitsch liebt sie: „Wenn ich russisches Repertoire spiele, fühle ich mich wie zu Hause. Emotional verstehe ich diese Musik hundertprozentig.“ So trifft es sich für das Erlanger Publikum doppelt gut, dass die brillante Russin Rachmaninows erstes Klavierkonzert spielt. Mit den „Bambergern“ hat Vinnitskaya bereits konzertiert und der musikantisch-vitale tschechische Dirigent Petr Popelka dürfte die musikalische Verbindung an diesem gVe-Konzertabend zwischen Franken, Russland und Tschechien vertiefen. Nicht von ungefähr bescheinigt die norwegische Rezensentin und Musikwissenschaftlerin Astrid Kvalbein dem fröhlichen Tschechen folgende Fähigkeit: „Popelka beherrscht die Kunst des Kuratierens, wie man Werke aus unterschiedlichen Epochen einander gegenüberstellt, sodass man sie in neuem Licht und aus anderen Blickwinkeln hören kann.“

Diese Fähigkeit wird bei diesem abwechslungsvollen Konzertprogramm von Vorteil sein, und dennoch eine dramaturgische Gesamteinheit schaffen: Denn es gibt außer russischer Empathie noch Robert Schumanns Sinfonie Nr. 1, die „Frühlingssymphonie“ und französische Impressionen von Lili Boulanger mit einem Frühlingsmorgen „D´ un matin de printemps“ und dem traurigen Abend „D´ un soir triste“.

Es wird somit für alle Ausführenden das einzulösen sein, was Anna Vinnitskaya sich und dem Publikum als Ziel gesetzt hat: „So zu spielen, dass die Leute den Eindruck bekommen, ich erzählte etwas, wie es ein guter Film oder ein gutes Buch tun.“

gVe-Mitglieder kennen und lieben das an erstklassigen Konzerten. Neuzugänge werden von diesen mitreißenden Interpreten und Programm begeistert sein. Film bitte ab – Konzert!

Anna Vinnitskaya
© Marco Borggreve
Popelka
© Vojtech Brtnicky

Anna Vinnitskaya

Höchste Virtuosität und poetische Tiefe: Publikum und Kritik schätzen gleichermaßen, dass Anna Vinnitskaya nicht nur spektakuläre Feuerwerke zünden kann, sondern auch große Gemälde zu malen versteht. Ihre technische Brillanz ist dabei nie virtuoser Selbstzweck, sondern stets Mittel zum Ausdruck. Gestaltungskraft und klangliche Nuancierung, Unbedingtheit und Energie zeichnen das Klavierspiel von Anna Vinnitskaya aus.

Der 1. Preis beim Concours Reine Elisabeth in Brüssel 2007 markierte für Anna Vinnitskaya den internationalen Durchbruch. Sie ist heute geschätzte Partnerin vieler bedeutender Orchester weltweit und führender Dirigenten wie Andris Nelsons, Valery Gergiev, Krzysztof Urbański, Dmitri Kitajenko, Alan Gilbert und Mirga Gražinytė-Tyla. Ein Höhepunkt der Saison 2021/22 ist ihre erneute Zusammenarbeit mit Kirill Petrenko und den Berliner Philharmonikern. Im Rahmen der gemeinsamen Gastspielreise debütiert Anna Vinnitskaya bei den Salzburger Festspielen und kehrt zum LUCERNE Festival und in die Philharmonie de Paris zurück.

Anna Vinnitskayas Debüts bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden, beim Gewandhausorchester Leipzig und dem Orchestre Philharmonique de Radio France führten zu sofortigen Wiedereinladungen. In jüngster Zeit war sie Residenzkünstlerin bei der Dresdner Philharmonie auf Einladung von Marek Janowski, beim WDR Sinfonieorchester Köln und dem Frankfurter Museumsorchesters. Mit Klavierabenden gastiert sie immer wieder im Rahmen renommierter Klavierserien wie zum Beispiel bei den Berliner Philharmonikern, in Köln, Essen, Dortmund, Stuttgart, München und Hamburg, im Palais des Beaux Arts in Brüssel, Konzerthaus Wien und in der Suntory Hall in Tokyo.

Anna Vinnitskaya ist auch eine leidenschaftliche Kammermusikerin. Mit dem Geiger Emmanuel Tjeknavorian und dem Cellisten Daniel Müller-Schott ist sie in der Saison 2021/22 mit Werken von Debussy, Tschaikowsky, Brahms und Schubert im Klaviertrio zu erleben.
CD-Einspielungen von Anna Vinnitskaya wurden mit zahlreichen Preisen wie dem Diapason d’Or und dem Gramophone Editor’s Choice ausgezeichnet. Zu Beginn des Jahres 2021 legte sie ein Album mit den Balladen und Impromptus von Frédéric Chopin vor, das mit anhaltender Begeisterung von der Kritik aufgenommen wird. „Mit welcher Selbstverständlichkeit die Arpeggien und Läufe ineinandergreifen, wie elegant und erhaben zugleich sie musikalische Linien phrasiert – so muss man Chopin spielen“, urteilte Mascha Drost im Deutschlandfunk. Vorausgehende Veröffentlichungen sind ein Rachmaninow-Album mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester und Krzysztof Urbański sowie die Einspielung von Bachs Klavierkonzerten gemeinsam mit Evgeni Koroliov, Ljupka Hadzi Georgieva und der Kammerakademie Potsdam (Alpha Classics/Outhere Music), um nur einige zu nennen.

Anna Vinnitskaya wurde im russischen Novorossijsk geboren. Sie studierte bei Sergei Ossipienko in Rostow und anschließend bei Evgeni Koroliov an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, an der sie seit 2009 selbst als Professorin lehrt.

Petr Popelka

  • Chefdirigent Norwegisches Rundfunkorchester
  • Designierter Chefdirigent und Künstlerischer Leiter Radio-Symphonieorchester Prag (ab September 2022)
  • Erster Gastdirigent Janáček Philharmonie Ostrava

Innerhalb von zwei Spielzeiten hat sich Petr Popelka als einer der inspirierendsten Dirigenten seiner Generation einen Namen gemacht. Der Tscheche ist seit August 2020 Chefdirigent des Norwegischen Rundfunkorchesters in Oslo und wird mit der Saison 2022/2023 zusätzlich Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Radio-Symphonieorchesters Prag. Außerdem steht er als Erster Gastdirigent regelmäßig am Pult der Janáček Philharmonie Ostrava.

Schwerpunkte der Osloer Konzertsaison 2021/2022 sind ein Festkonzert zum 75-jährigen Jubiläum des Orchesters zusammen mit Vilde Frang im Osloer Opernhaus, ein Schumann-Zyklus mit sämtlichen Symphonien und dem Oratorium Das Paradies und die Peri, Wagners Ring in der Fassung von Lorin Maazel sowie mehrere Uraufführungen.

In der Saison 2021/2022 kehrt Petr Popelka u.a. zur Sächsischen Staatskapelle Dresden (ZDF Adventskonzert), NDR Elbphilharmonie Orchester, Danish National Symphony Orchestra, Bergen Philharmonic Orchestra, Radio-Symphonieorchesters Prag, FOK Prager Sinfonieorchester und Aalborg Symphony Orchestra zurück und debütiert bei der Tschechischen Philharmonie, hr-Sinfonieorchester, Deutschen Radio Philharmonie, Staatskapelle Weimar, Mozarteumorchester Salzburg, Orchestre de Chambre de Lausanne und Sinfonieorchester St. Gallen. Eine Neuproduktion von Schostakowitschs Die Nase (Regie: Peter Konwitschny) führt ihn an die Semperoper Dresden und eine neue Carmen an das Prager Nationaltheater, wo er auch eine Figaro-Serie dirigieren wird. Im Sommer 2021 gab er sein gefeiertes Debüt bei den Wiener Symphonikern im Wiener Konzerthaus.

In der Saison 2019/2020 war Petr Popelka der erste Conductor Fellow des NDR Elbphilharmonie Orchesters. 2017 gewann er den Neeme-Järvi-Preis der Gstaad Menuhin Festival Academy, nachdem er sich seit 2016 vermehrt dem Dirigieren widmete. Wichtige dirigentische Impulse erhielt er von Vladimir Kiradjiev und Alan Gilbert sowie bei Meisterkursen von Peter Eötvös, Jaap van Zweden und Johannes Schlaefli.

Petr Popelka erhielt seine musikalische Ausbildung in seiner Heimatstadt Prag und in Freiburg. 2010 bis 2019 war er stellvertretender Solo-Kontrabassist der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Neben dem Dirigieren nimmt das Komponieren eine wichtige Position in Petr Popelkas künstlerischer Arbeit ein.

Bamberger Symphoniker

Die Bamberger Symphoniker sind ein außergewöhnliches Orchester in einer außergewöhnli-chen Stadt. Bamberg ohne seine Symphoniker, das wäre eine Stadt, der etwas Wesentliches fehlte, etwas Elementares, wie die Luft zum Atmen: Fast 10% der heimischen Bevölkerung sind AbonnentInnen in einer der fünf eigenen Konzertreihen. Hinzu kommen etliche, eben-falls fast ausnahmslos ausverkaufte Sonderkonzerte.

Und doch sind die Bamberger Symphoniker weit mehr als das musikalische Zentrum der Stadt und der ganzen Region. Sie sind eines der reisefreudigsten Orchester Deutschlands überhaupt: Seit 1946 begeistern sie ihr Publikum weltweit mit ihrem charakteristisch dunk-len, runden und strahlenden Klang. Mit weit mehr als 7.300 Konzerten in über 500 Städten und 63 Ländern sind sie zudem als Bayerische Staatsphilharmonie zum Kulturbotschafter Bayerns und ganz Deutschlands geworden und regelmäßig auf Tourneen z.B. in den USA, in Südamerika, Japan und China unterwegs.

Die Umstände ihrer Gründung machen die Bamberger Symphoniker zu einem Spiegel der deutschen Geschichte: 1946 trafen ehemalige Mitglieder des Deutschen Philharmonischen Orchesters Prag in Bamberg auf KollegInnen, die ebenfalls infolge der Kriegs- und Nach-kriegswirren aus ihrer Heimat hatten fliehen müssen, und gründeten das »Bamberger Ton-künstlerorchester«, kurze Zeit später umbenannt in Bamberger Symphoniker. Ausgehend von dem Prager Orchester lassen sich Traditionslinien bis ins 19. und 18. Jahrhundert ziehen. Damit reichen die Wurzeln der Bamberger Symphoniker zurück bis zu Mahler und Mozart.

Mit dem Tschechen Jakub Hrůša, seit September 2016 fünfter Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, spannt sich nun, mehr als sieben Jahrzehnte nach der Orchestergründung, wieder eine Brücke zwischen den geschichtlichen Wurzeln der Bamberger Symphoniker und ihrem Heute.

Einen nicht unwesentlichen Beitrag zum weltweit hohen Bekanntheitsgrad der Bamberger Symphoniker haben von Anfang an auch unzählige in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk entstandene Konzertübertragungen sowie Rundfunk-, Schallplatten- und CD-Produktionen geleistet. Besonders in der außergewöhnlichen Zusammenarbeit mit Chefdirigent Jakub Hrůša sind bereits herausragende und mehrfach preisgekrönte Aufnahmen entstanden: Die Aufnahme von Martinůs 4. und Dvořáks einzigem Klavierkonzert mit Pianist Ivo Kahánek (bei Supraphon) wurde 2019 mit dem hochangesehenen tschechischen »Anděl-Preis« sowie dem renommierten BBC Music Magazine Award ausgezeichnet. Eine von mittlerweile zwei erschienenen Doppel-CDs mit Symphonien von Johannes Brahms und Antonín Dvořak wurde vom BBC Music Magazine im März 2019 als »Recording of the Month« ausgezeichnet. Die Edition wird im Frühjahr 2022 mit zwei weiteren CDs vervollständigt.

2019 beschritt das Orchester mit einer weiteren Einspielung von Smetana’s “Má vlast” im „direct-to-disc“-Verfahren, bei welchem ohne digitale Nachbearbeitung direkt auf die Schallplatte aufgezeichnet wird, neue Wege und schuf ein heutzutage beinahe einzigartiges Klangerlebnis. Die Aufnahme von Mahlers 4. Symphonie (2020; bei BIS) wurde Ende 2021 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Es folgte eine Einspielung von Anton Bruckners 4. Symphonie in allen drei Fassungen, vereint in einer Edition – ein bis dato einzigartiges Projekt, das im Januar 2022 den International Classical Music Award gewann.

2021 erschien ein Hörbuch, in dem die die 75-jährige Geschichte der Bamberger Symphoniker, deren Wurzeln nach Prag über die Zeit Gustav Mahlers bis zu Lebzeiten Mozarts reichen, aufgearbeitet wird (beides accentus music).

Dass in dieser Zusammenarbeit auch viel Wert auf programmatische Inhalte bei den Konzerten gelegt wird, bezeugt die Auszeichnung des Deutschen Musikverleger-Verbands für „Das beste Konzertprogramm“ im Frühjahr 2018. Im Jahr 2020 erhielt das Orchester den Bayerischen Staatspreis für Musik.

Bamberger Symphoniker
© Andreas Herzau
Anna Vinnitskaya
© Marco Borggreve