Sonderkonzert
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Expeditionskonzert – Staatsphilharmonie Nürnberg

(Joana Mallwitz)

Wo

Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal, Erlangen

Tag

Uhrzeit

Besetzung

Joana Mallwitz, Leitung und Moderation

Programm

Felix Mendelssohn Bartholdy
Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 “Italienische”

Expeditionskonzert – Staatsphilharmonie Nürnberg Dirigiert und moderiert von Joana Mallwitz

Die beliebten Reisen von Joana Mallwitz ins Innere von musikalischen Meisterwerken gehen auf eine neue Tour: Entdecken Sie mit der Nürnberger Generalmusikdirektorin und „ihrer“ Staatsphilharmonie nach Strawinskys „Sacre du Printemps“ in der letzten Spielzeit einmal mehr ein großes Werk der Musikgeschichte in allen seinen Facetten. Joana Mallwitz, 2019 zur „Dirigentin des Jahres“ gewählt, wird dabei nicht nur wie gewohnt den Taktstock führen, sondern wieder auch selbst vom Klavier aus moderieren. Dabei wird sie erneut Erheiterndes, Überraschendes, Unbekanntes und auch oft Gehörtes zu einem neuen Erlebnis und Höreindruck zusammenfügen, bevor das Werk am Ende noch einmal im Ganzen erklingt. Sowohl routinierte Konzertgängerinnen und -gänger als auch interessierte Neulinge sind herzlich eingeladen, die Ohren zu spitzen und große Musik neu zu erleben!

„Das lustigste Stück, das ich gemacht habe“
Die Sinfonie Nr. 4 von Felix Mendelssohn Bartholdy, die sogenannte „Italienische“, sie gehört zu den bekanntesten und berühmtesten, zu den beliebtesten und populärsten Werken der klassisch-romantischen Epoche überhaupt. Sie ist ein ewiger Bestseller der sinfonischen Weltliteratur. Mendelssohn skizzierte die Sinfonie zwischen Herbst 1830 und Spätsommer 1831, während seiner großen Italienreise, die ihn über Udine nach Venedig, Florenz und Rom bis hinunter nach Neapel und über Mailand wieder zurückführte. In einem Brief aus Rom vom Februar 1831 berichtete er: „Die Italienische Symphonie macht große Fortschritte; es wird das lustigste Stück, das ich gemacht habe, namentlich das letzte; fürs Adagio habe ich noch nichts Bestimmtes und glaube, ich will es mir für Neapel aufsparen.“

Mendelssohns Italianità
Was schließlich im Frühjahr 1833 vollendet vorlag, war eine Sinfonie von einer ganz speziellen, exklusiven Italianità, jenseits von allem Folklorismus. Der spritzige Kopfsatz soll durch die Heiterkeit der Toskana inspiriert worden sein. Einen anderen Ton schlägt der langsame zweite Satz an. Möglicherweise spielt er in den Abruzzen, in der bergigen Region östlich von Rom, wo (im Verlauf von Mendelssohns Sinfonie) gerade Pilger ihres Weges ziehen: Die fast ununterbrochen durchlaufenden Achtel der Streicherbässe in der Art eines barocken Basso figurato und die schlichte Melodik haben jedenfalls etwas von einem Religioso. Der folgende dritte Satz ist italienisch-romanisch wohl nur in seinen formvollendeten, ausgewogenen, gleichsam apollinischen Proportionen und in seinem hellen, lichten Charakter. Poetisch sind die Signalmotive der Hörner und Fagotte, die wie aus einer pittoresken Ferne rufen. Das wirbelnde Finale wirft uns schließlich hinein in das ausgelassene Volksleben Neapels. Der Satz ist ein Saltarello, ein lebhafter italienischer Springtanz, für dessen Themen Mendelssohn auf originale neapolitanische Volksmelodien zurückgriff, in ihrer Kombination mit gelehrten kontrapunktischen Verfahrensweisen freilich kunstvoll stilisiert.

Joana Mallwitz – wieder in Erlangen
„Da ist eine neugierige, motivierende, zugleich rigoros auf Qualität bestehende Künstlerin am Werk, die besessen am Klang zu feilen pflegt und doch, wenn es darauf ankommt, loslassen kann.“ So begründete die Jury im Herbst 2019 die Auszeichnung von Joana Mallwitz als „Dirigent(in) des Jahres“ – eine Ehre, die vor ihr Christian Thielemann und Kirill Petrenko zuteilgeworden war. Seit ihrem Amtsantritt in Nürnberg im Herbst 2018 folgten ihre Debüts an der Bayerischen Staatsoper, beim HR Sinfonieorchester, dem Philharmonia Orchestra London, den Dresdner Philharmonikern und im Sommer 2020 bei den Salzburger Festspielen, wo sie – 100 Jahre nach der Gründung der Salzburger Festspiele – die erste Dirigentin war, der mit „Così fan tutte“ eine gesamte Opernaufführungsserie anvertraut wurde. Nun ist die Ausnahmedirigentin auch wieder in Erlangen zu erleben.

Text: Klaus Meyer

Expeditionskonzert Mallwitz
© Ludwig Olah
© Nikolaj Lund

Joana Mallwitz

„Da ist eine neugierige, motivierende, zugleich rigoros auf Qualität bestehende Künstlerin am Werk, die besessen am Klang zu feilen pflegt und doch, wenn es darauf ankommt, loslassen kann.“ So begründete die Jury der Zeitschrift Opernwelt im Herbst 2019 die Auszeichnung der 33-jährigen Dirigentin Joana Mallwitz als „Dirigentin des Jahres“. Mallwitz, seit der Spielzeit 2018/2019 als Generalmusikdirektorin am Staatstheater Nürnberg tätig, wird in der Presse als „Ausnahmedirigentin“ gefeiert, die vom Graben aus die musikalische Gestaltung mit den Mitteln eines „Klangbühnenbildners“ zum Erlebnis mache (Reinhard J. Brembeck in der Süddeutschen Zeitung).

In Hildesheim geboren, erhielt Mallwitz ihre musikalische Ausbildung an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover, wo sie mit 13 Jahren in den ersten Jahrgang des Instituts zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter aufgenommen wurde. Sie studierte Dirigieren bei Martin Brauß und Eiji Oue sowie Klavier bei Karl-Heinz Kämmerling und Bernd Goetzke. 2009 wurde sie mit dem „Praetorius Musik-Förderpreis“ des Landes Niedersachsen ausgezeichnet.

Bereits mit Beginn der Spielzeit 2014/2015 trat Mallwitz als jüngste Generalmusikdirektorin Europas ihr erstes Leitungsamt am Theater Erfurt an. Zusätzlich zur Einstudierung großer Neuproduktionen rief sie dort die Orchester-Akademie des Philharmonischen Orchesters Erfurt ins Leben und begründete das Composer in Residence-Programm „Erfurts Neue Noten“. Außerdem konzipierte Mallwitz das erfolgreiche Konzertformat der „Expeditionskonzerte“, in denen sie die Doppelrolle als Dirigentin und Moderatorin am Klavier übernimmt, um dem Publikum ein Werk der sinfonischen Literatur näherzubringen.

Dieses Format brachte sie auch an ihre neue Wirkungsstätte am Staatstheater Nürnberg mit, wo sie in ihrer ersten Spielzeit als neue Generalmusikdirektorin für die Neuproduktionen von Prokofjews Krieg und Frieden und Wagners Lohengrin verantwortlich war, die beide in der überregionalen Presse einhellig gefeiert wurden. Es folgten ihre Debüts an der Bayerischen Staatsoper (Eugen Onegin und L‘elisir d‘amore) und an der Oper Oslo (Der Rosenkavalier). Konzertengagements führten sie zum HR Sinfonieorchester, dem City of Birmingham Symphony Orchestra, dem Philharmonia Orchestra London, den Dresdner Philharmonikern, den Göteborger Symphonikern, der Kremerata Baltica und dem Royal Danish Orchestra.

Im Rahmen der Salzburger Festspiele leitete Mallwitz im Sommer 2020 eine Neuproduktion von W.A. Mozarts Cosi fan tutte in der Regie von Christof Loy. Sie war die erste Frau in der Geschichte der Festspiele, der eine gesamte Aufführungsserie anvertraut wurde. Zu den Highlights der Saison 2021/2022 zählen Neuproduktionen von Claude Debussys Pelléas et Mélisande und Richard Strauss’ Der Rosenkavalier in Nürnberg sowie Debüts im Wiener Musikverein und an der Semperoper Dresden.

Staatsphilharmonie Nürnberg

Die Staatsphilharmonie Nürnberg ist der älteste Klangkörper der Metropolregion Nürnberg und nach dem Bayerischen Staatsorchester München das größte Opern- und Konzertorchester in Bayern. Als Generalmusikdirektoren wirkten in den letzten Jahrzehnten Hans Gierster, Christian Thielemann, Eberhard Kloke, Philippe Auguin, Christof Prick und Marcus Bosch. Seit der Spielzeit 2018/2019 leitet Joana Mallwitz als Generalmusikdirektorin des Staatstheaters Nürnberg das Orchester.

Neben jährlich etwa 150 Opern- und Ballettvorstellungen bestreitet das Orchester mit den „Philharmonischen Konzerten“ eine eigene Symphoniekonzertreihe in der Meistersingerhalle Nürnberg. Hinzu kommen zahlreiche Sonderprojekte. Seit 1999 gestaltet die Staatsphilharmonie in Kooperation mit dem Kulturreferat der Stadt Nürnberg das mittlerweile europaweit größte Klassik-Open-Air. Mit den Kinder- und Jugendkonzerten und der von Joana Mallwitz neu eingeführten Reihe der „Expeditionskonzerte“ erreicht das Orchester zudem eine Vielzahl von neuen, jungen Konzertbesucher*innen. Darüber hinaus veranstalten die Musiker der Staatsphilharmonie seit 1993 in eigener Organisation eine Reihe mit jährlich acht Kammerkonzerten im Glucksaal der Oper.

Die Geschichte des Klangkörpers reicht zurück bis zu der seit 1377 nachweisbaren Reichsstädtischen Ratsmusik Nürnbergs. 1922 wurde das Stadttheaterorchester mit dem um 1880 gegründeten, von einem privaten Verein getragenen „Philharmonischen Orchester“ zusammengelegt und in öffentliche Trägerschaft übernommen. 2012 wurde das Orchester vergrößert und zur „Staatsphilharmonie Nürnberg“ umbenannt, im selben Jahr kam auch die Orchesterakademie hinzu. Anlässlich des 100-jährigen Orchesterjubiläums im Jahr 2022 gründet das Staatstheater auf Initiative von GMD Joana Mallwitz mit der „Jungen Staatsphilharmonie“ ein eigenes Jugendorchester.

Konzerte und Opernaufführungen mit der Staatsphilharmonie Nürnberg werden regelmäßig von BR-Klassik und Deutschlandradio Kultur übertragen.

Staatsphilharmonien Nürnberg
© Simon Pauly
Expeditionskonzert Mallwitz
© Ludwig Olah
Joana Mallwitz
© Ludwig Olah