© Andreas Herzau
Jakub Hrůša

FV

Bamberger Symphoniker

(Ulrich Witteler/Jakub Hrůša)

Sonntag, 20. Dezember 2020, 19 Uhr
Keine Einführung
Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal
Rathausplatz 1, 91052 Erlangen

ZAC-Rabatt

Sie gehört zu den eindrucksvollsten, bewegendsten und schönsten Werken der sinfonisch-konzertanten Weltliteratur für Violoncello und Orchester: die Hebräische Rhapsodie „Schelomo“ von Ernest Bloch.

Bamberger Symphoniker
Ulrich Witteler, Violoncello
Jakub Hrůša, Leitung

Richard Wagner
Die Feen, Ouvertüre

Ernest Bloch
Schelomo – Hebräische Rhapsodie

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 „Pastorale“

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© Andreas Herzau

Viel zu selten gespielt: Schelomo

Ulrich Witteler, die Bamberger Symphoniker und Jakub Hrůša

So wie sich im späteren 19. Jahrhundert eine böhmische, russische und skandinavische Kunstmusik entwickelte, so entstand Anfang des 20. Jahrhunderts auch eine authentische jüdische Kunstmusik – eine artifizielle jüdische Musik, jenseits von Klezmer-Folklore und „Anatevka“-Romantik, die von ihrem „Ton“ her unverkennbar ihre Herkunft und Identität zu erkennen gibt. Der erste große und prominente Repräsentant dieser jüdischen „Klassik“ war der gebürtige Schweizer und spätere Wahlamerikaner Ernest Bloch. Eines seiner Meisterstücke ist die Hebräische Rhapsodie „Schelomo“ – ein sinfonisch-konzertantes Werk für Violoncello und Orchester, das sich mit seiner musikalischen Schönheit und Sinnfülle und seinem effektvollen Solopart in eine Reihe mit den großen Cellokonzerten von Schumann, Dvořák und Elgar stellen kann.

Lebensratschläge und Weisheitssprüche

Ernest Bloch – nicht zu verwechseln mit dem fast gleichaltrigen deutschen Philosophen Ernst Bloch – wurde 1880 in Genf geboren und starb 1959 in Portland im US-Bundesstaat Oregon. Die „Schelomo“-Rhapsodie entstand 1915/1916 und ist inspiriert von der biblischen Gestalt Salomos – König von Israel und Autor von drei Büchern des Alten Testaments: Das Hohelied, die Sprüche Salomos und Prediger Salomo. Vor dem Hintergrund der ersten blutigen Gemetzel des I. Weltkriegs beschwört Blochs sprechende und ausdrucksvolle Musik Salomos Warnungen vor falscher Lebensweise, seine praktischen Lebensratschläge, seine Weisheitssprüche. Wie der Komponist erläuterte, repräsentiert dabei das nahezu permanent beschäftigte Solo-Violoncello die Stimme Salomos, während das Orchester die den Protagonisten umgebende Welt verkörpert.

Solo-Cellist der Bamberger Symphoniker

Bei uns übernehmen die beiden Rollen die Bamberger Symphoniker und ihr beliebter Chef Jakub Hrůša auf der einen Seite und als Solist auf der anderen der junge Cellist Ulrich Witteler. Der Absolvent der Folkwang Hochschule Essen, der Musik-Akademie Basel und des Salzburger Mozarteums ist Gründungsmitglied des Gémeaux Quartetts, mit dem er als Preisträger aus dem ARD-Musikwettbewerb in München hervorging. Von 2011 bis 2013 war er Solo-Cellist des Münchner Kammerorchesters, seit 2013 ist Ulrich Witteler Solo-Cellist der Bamberger Symphoniker.

Feen und ein Hymnus an die Natur

Blochs „Schelomo“ in der konzertierten Aktion der Bamberger Symphoniker, ihres Solo-Cellisten und ihres Chefdirigenten wird flankiert von Beethovens 6. Sinfonie, dem idyllschen „Hymnus an die Natur“, bekannt unter dem Beinamen „Pastorale“, und von einem Frühwerk Richard Wagners – der Ouvertüre zu seinem Opernerstling „Die Feen“, die nur wenige wirklich gut kennen. Es ist Musik, die von Carl Maria von Weber und Heinrich Marschner, aber auch von Mendelssohn und Berlioz beeinflusst ist. Und zugleich weist sie doch unverkennbar auf den späteren Wagner voraus – auf den „Fliegenden Holländer“, auf den „Lohengrin“ und vieles mehr.

Text: Klaus Meyer

Witteler Ulrich
© Jano Lisboa
Ulrich Witteler

Durch meine Kindheit und Jugend begleitet und zum Cello gebracht hat mich mein Musikschullehrer Jaspar Sturtzkopf in Düsseldorf: Er hat mit meinem Vater bei uns zu Hause geprobt, während ich im Cellokasten sitzen und staunend zuhören durfte. Alexander Hülshoff, Reinhard Latzko und Clemens Hagen waren dann meine Celloprofessoren, die bis heute alle eine unglaublich wichtige Rolle in meinem Leben spielen.
Dennoch glaube ich, dass der wichtigste Teil meiner Ausbildung die Arbeit mit dem Streichquartett war. Alles, was man über Musik erfahren kann, durfte ich bei Walter Levin, Sebastian Hamann, dem Hagen Quartett sowie von meinen Kollegen und Freunden im Gémeaux Quartett lernen.
Am Orchesterspiel faszinieren mich die magischen Momente, die insbesondere dann entstehen, wenn viele Menschen zusammen fast unhörbar spielen, eine Erfahrung, die ich im Gustav-Mahler-Jugendorchester unter Claudio Abbado zum ersten Mal machen durfte.

Ulrich Witteler war Gründungsmitglied des Gémeaux Quartetts, mit dem er, nicht zuletzt durch einen 3. Preis und den Publikumspreis beim ARD-Wettbewerb in München, auf eine rege internationale Konzerttätigkeit zurückblicken kann. Dazu kamen Aufnahmen bei allen großen deutschen Rundfunkanstalten sowie Einladungen zu renommierten Festivals, u. a. nach Luzern, Davos sowie zur Schubertiade Schwarzenberg. Von 2011 bis 2013 war Ulrich Witteler darüber hinaus Solo-Cellist des Münchener Kammerorchesters und Lehrbeauftragter an der Folkwang Universität der Künste Essen. Seit 2013 ist er Solo-Cellist der Bamberger Symphoniker.

Jakub Hrůša
@ michael Aust
Jakub Hrůša

Jakub Hrůša ist seit September 2016 Chefdirigent der Bamberger Symphoniker. Er ist der fünfte Chefdirigent in der Geschichte des Orchesters. »Ich freue mich außerordentlich«, sagt Jakub Hrůša, »Chefdirigent der Bamberger Symphoniker zu sein. Schon bevor ich die Möglichkeit hatte, dieses Juwel unter den europäischen Orchestern zu dirigieren, habe ich es über die Maßen bewundert. Sie verkörpern Orchesterkultur im umfassendsten Sinne des Wortes. Da die Wurzeln des Orchesters in Prag liegen, atmen wir gewissermaßen die gleiche musikalische Luft, teilen den gleichen kulturellen Hintergrund und sind uns künstlerisch und historisch sehr nah. Mit den Bamberger Symphonikern kann jedes noch so kleine musikalische Detail zu einem Wunder werden, und jedes Konzert verwandelt den, der es hört.«

Das Gramophone Magazine bezeichnete den in Brno in der Tschechischen Republik geborenen Dirigenten als »kurz davor, größte Bedeutung zu erlangen«. Er ist Erster Gastdirigent des Philharmonia Orchestra und der Tschechischen Philharmonie, zuvor des Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra. Von 2009 bis 2015 war er Musikdirektor und Chefdirigent von PKF-Prague Philharmonia.

Er ist regelmäßig zu Gast bei den bedeutendsten Orchestern der Welt. Künstlerische Höhepunkte der jüngsten Zeit waren seine Debüts beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, den Berliner Philharmonikern, dem Orchestra dell'Accademia di Santa Cecilia, der Filarmonica della Scala, dem Royal Concertgebouw Orchestra, dem Mahler Chamber Orchestra, dem New York Philharmonic, der Boston Symphony und der Chicago Symphony, Auftritte in bei den »Bohemian Legends« und »The Mighty Five« – zwei Konzertserien des Philharmonia Orchestra –, sowie Konzerte mit dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Cleveland Orchestra, den Wiener Symphonikern, dem DSO Berlin sowie dem San Francisco Symphony und dem Los Angeles Philharmonic.

Als Operndirigent ist er regelmäßig beim Glyndebourne Festival zu erleben und war drei Jahre lang Music Director von »Glyndebourne on Tour«. Er leitete Produktionen an der Wiener Staatsoper, an der Opéra National de Paris, der Frankfurter Oper, der Finnischen Nationaloper, der Königlichen Dänischen Oper und am Prager Nationaltheater. In der Saison 2017/2018 war er erneut an der Pariser Oper sowie am Royal Oper House Covent Garden in London zu erleben.

Er hat mehrere CDs veröffentlicht. Mit den Bamberger Symphonikern führt er die Partnerschaft mit dem Label TUDOR fort: Mit seinem Amtsantritt als Chefdirigent des Orchesters erschien im September 2016 seine erste Einspielung mit den Bamberger Symphonikern, Bedřich Smetanas »Mein Vaterland«. Die kürzlich veröffentlichte 50. CD der Zusammenarbeit der Bamberger Symphoniker mit Tudor Recordings mit Brahms' 4. und Dvořák's 9. Symphonie („Aus der Neuen Welt“) unter der Leitung von Jakub Hrůša bildet zudem den Auftakt zu einem neuen Brahms/Dvořák-Zyklus des Orchesters mit seinem Chefdirigenten. Außerdem hat er Live-Aufnahmen vorgelegt von Hector Berlioz’ »Symphonie fantastique«, Richard Strauss’ »Eine Alpensinfonie« und Josef Suks »Asrael«-Symphonie mit dem Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra (Octavia Records). Weitere Aufnahmen umfassen die Violinkonzerte von Tschaikowsky und Bruch mit Nicola Benedetti und der Tschechischen Philharmonie (Universal) sowie drei CDs mit dem PKF-Prague Philharmonia.

Jakub Hrůša studierte Dirigieren an der Akademie der musischen Künste Prag. Er ist Präsident des International Martinů Circle und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Prag. 2015 erhielt er als erster den Sir-Charles-Mackerras-Preis.

Bamberger Symphoniker
© Andreas Herzau
Bamberger Symphoniker

Die Bamberger Symphoniker sind ein außergewöhnliches Orchester in einer außergewöhnlichen Stadt. Bamberg ohne seine Symphoniker, das wäre eine Stadt, der etwas Wesentliches fehlte, etwas Elementares, wie die Luft zum Atmen: Fast 10% der heimischen Bevölkerung sind Abonnenten in einer der fünf eigenen Konzertreihen. Hinzu kommen etliche, ebenfalls fast ausnahmslos ausverkaufte Sonderkonzerte, so dass im Schnitt jeder Bamberger Bürger einmal im Jahr ein Konzert seines Orchesters besucht.

Und doch sind die Bamberger Symphoniker weit mehr als das musikalische Zentrum der Stadt und der ganzen Region. Sie sind eines der reisefreudigsten Orchester Deutschlands überhaupt:
Seit 1946 begeistern sie ihr Publikum weltweit mit ihrem charakteristisch dunklen, runden und strahlenden Klang. Mit weit mehr als 7.000 Konzerten in über 500 Städten und 63 Ländern sind sie zudem als Bayerische Staatsphilharmonie zum Kulturbotschafter Bayerns und ganz Deutschlands geworden und regelmäßig weltweit unterwegs. Viele Preise und Auszeichnungen erhielt das Orchester, unter anderem für seine unzähligen Schallplatten- und CD-Produktionen. 2018 wurden die Bamberger Symphoniker für das »Beste Konzert-programm der Saison« ausgezeichnet.

Die Umstände ihrer Gründung machen die Bamberger Symphoniker zu einem Spiegel der deutschen Geschichte:

1946 trafen ehemalige Mitglieder des Deutschen Philharmonischen Orchesters Prag in Bamberg auf Musikerkollegen, die ebenfalls infolge der Kriegs- und Nachkriegswirren aus ihrer Heimat hatten fliehen müssen, und gründeten das »Bamberger Tonkünstlerorchester«, kurze Zeit später umbenannt in Bamberger Symphoniker. Ausgehend von dem Prager Orchester lassen sich Traditionslinien bis ins 19. und 18. Jahrhundert ziehen. Damit reichen die Wurzeln der Bamberger Symphoniker zurück bis zu Mahler und Mozart.

Seit September 2016 ist der Tscheche Jakub Hrůša der fünfte Chefdirigent in der Geschichte der Bamberger Symphoniker, und sein Vertrag wurde bereits bis 2026 verlängert. Mit seiner Person spannt sich nun, mehr als sieben Jahrzehnte nach der Orchestergründung, wieder eine Brücke zwischen den geschichtlichen Wurzeln der Bamberger Symphoniker und ihrem Heute.

Konzertsaal

Heinrich-Lades-Halle

Heinrich-Lades-Halle Erlangen, Innen
© Detlef Overmann | EKM GmbH
Großer Saal, Heinrich-Lades-Halle
© Detlef Overmann | EKM GmbH

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