© Eric Melzer
Patricia Kopatchinskaja

FV

Bamberger Symphoniker

(Patricia Kopatchinskaja/Gustavo Gimeno)

Mittwoch, 28. April 2021, 20 Uhr
Keine Einführung
Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal
Rathausplatz 1, 91052 Erlangen

Sparkassen-Rabatt

Patricia Kopatchinskaja ist vielleicht die eigenwilligste, spannendste Geigerin unserer Zeit. In Erlangen ist sie mit Ravels „Tzigane“ zu erleben, einem Hexentanz, der ihr auf den geigerischen Leib geschrieben scheint!

Bamberger Symphoniker
Patricia Kopatchinskaja, Violine
Gustavo Gimeno, Leitung

Claude Debussy
Danse (Bearbeitung für Orchester von Maurice Ravel)

Maurice Ravel
Tzigane – Rhapsodie für Violine und Orchester

Francisco Coll
Konzert für Violine und Orchester (2019)

Pjotr Iljitsch Tschaikowski
Suite aus dem Ballett „Schwanensee“

Patricia Kopatchinskaja Video auf Facebook

Die Exzentrikerin

Patricia Kopatchinskaja tritt meistens barfuß auf, um „direkte Verbindung mit der Erde“ zu haben. Da passt es auch, dass die moldawische Supergeigerin in der internationalen Geigenwelt als „unwiderstehliche Naturgewalt“ bezeichnet wird.

Das gilt vor allem, wenn sie moderne Werke herausfordert. Und das tut sie gern! Patricia Kopatchinskaja entfacht mit ihrem Temperament, ihrer emotionalen und eigenwilligen, exaltierten Spielweise in jedem Werk einen Tornado.

Die 43-jährige Geigerin, die mit ihren Eltern – beide auch Musiker – seit ihrem 13. Lebensjahr, 1989, in Wien aufwuchs und studierte, komponiert leidenschaftlich gerne, was sich auch auf ihre Interpretationsweise auswirkt, wie sie in einem Interview in der „Wiener Zeitung“ (4.3.2015) bekennt: „Wenn ich etwas interpretiere, stelle ich mir vor, dass ich der Komponist bin, dass die Musik mit aller Wichtigkeit und Dringlichkeit in diesem Moment geboren werden muss auf der Bühne. Was man auch spürt, wenn man selbst komponiert: Der aufgeschriebene Ton ist nicht alles.“

In Erlangen werden die Ausbrüche der wilden Geigerin zusammen mit den „Bambergern“ unter der Leitung von Gustavo Gimeno in zwei Werken zu erleben sein: Das ist zum einen Ravels berühmte, aufregende „Tzigane“. Mit der „Tzigane“ hat Kopatchinskaja Furore gemacht. Niemand spielt dieses feurige Stück so extrem, zigeunerhaft wie sie: „Je mehr man riskiert, desto näher ist man der Wahrheit. Weil man sich auf Messers Schneide bewegt.
Wenn man sich immer nur wiederholt, hat das nichts mit Kunst zu tun. […]  Es muss immer eine Revolution stattfinden, ein Protest, eine Konfrontation.“

Dieser revolutionäre Geist befördert Patricia Kopatchinskajas Vorliebe für Stücke zeitgenössischer Komponisten. Das zweite Werk an diesem Abend ist das Violinkonzert von Francisco Coll, das dieser für Kopatchinskaja geschrieben hat. Neue Musik ist für die lebhafte Künstlerin „ein Fenster in die Freiheit.“

Kopatchinskajas Begeisterung leitet sich auch bei diesem Werk vom Selber-Komponieren ab: „Für mich war es als Studentin nie interessant, das Brahms-Violinkonzert aufzupolieren, sondern Stücke meiner Kollegen zu probieren. Wie Brahms klingen soll, wird unterrichtet. Aber das interessiert mich nicht, sondern: wie etwas klingen könnte. Einmal saß ich irgendwo in Deutschland in einem Restaurant und merkte, dass Steffi Graf und Andre Agassi am Nachbartisch sitzen. Ich fragte mich: Kommen die heute Abend wohl in mein Konzert? Und ich dachte: nein. Warum nicht? Weil man in einem klassischen Konzert weiß, wie’s ausgeht, im Sport nicht. Es ist zu vorhersehbar, was wir machen, und wir spielen immer dasselbe. Das ist auf eine gewisse Art so degeneriert und versteinert, dass wir uns fragen müssen: Hat das noch etwas mit Zukunft, geschweige denn mit heute zu tun?“

Nach Ansicht der Jury für die Musikpreise der „Royal Philharmonic Society“ in London ist Patricia Kopatchinskaja nicht nur eine der „fantasievollsten Geigerinnen, die es heute gibt, sondern sie ist auch fähig, Kollegen zu elektrisieren und die Hörerschaft zu hypnotisieren. Wenn sie sich mit den düsteren Emotionen der Meisterwerke des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt oder wenn sie neue Werke vertritt, so ist sie so unwiderstehlich wie eine Naturgewalt: Leidenschaftlich, herausfordernd und völlig eigenständig in ihrer Sichtweise.“

Patricia Kopatchinskaja lebt in Bern, sie ist verheiratet und hat eine Tochter.

Text: Sabine Kreimendahl

Patricia Kopatchinskaja
© Julia Wesely
Patricia Kopatchinskaja

Patricia Kopatchinskaja (* 1977 in Chișinău, Moldauische SSR, Sowjetunion) ist eine moldauisch-österreichisch-schweizerische[1] Geigerin.

Leben

Patricia Kopatchinskaja kommt aus einer moldauischen Musikerfamilie,[2] ihre Mutter Emilia ist ebenfalls Geigerin, ihr Vater Viktor spielt das Zymbal. Weil ihre Eltern ausgedehnte Konzertreisen durch die Sowjetunion unternahmen, wuchs Patricia überwiegend bei ihren Großeltern auf dem Land auf.[3] Ab ihrem sechsten Lebensjahr nahm sie bei einer Schülerin von David Oistrach Geigenunterricht.[4]

1989 emigrierte die Familie nach Wien und nahm die österreichische Staatsbürgerschaft an. Patricia Kopatchinskaja studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Komposition und Violine. Im Alter von 21 Jahren wechselte sie als Stipendiatin an die damalige Hochschule für Musik und Theater in Bern. Dort diplomierte sie im Jahr 2000 mit Auszeichnung.

Zahlreiche KomponistInnen haben ihr Werke gewidmet. Sie komponiert gelegentlich selbst.

Patricia Kopatchinskaja lebt in Bern, sie ist verheiratet und hat eine Tochter.

Musikerin

Nach Ansicht der Jury der Musikpreise der Royal Philharmonic Society sei Patricia Kopatchinskaja nicht nur eine der fantasievollsten Geigerinnen, die es heute gibt, sondern sie sei auch fähig, Kollegen zu elektrisieren und die Hörerschaft zu hypnotisieren. Wenn sie sich mit den düsteren Emotionen der Meisterwerke des 20. Jahrhunderts auseinandersetze oder wenn sie neue Werke vertrete, so sei sie so unwiderstehlich wie eine Naturgewalt: Leidenschaftlich, herausfordernd und völlig eigenständig in ihrer Sichtweise.[5] Sie tritt in der Regel barfuß auf, um „direkte Verbindung mit der Erde“ zu haben.[6]

Solistin

Patricia Kopatchinskaja ist mit den meisten führenden Symphonieorchestern Europas, Japans und Russlands aufgetreten, darunter die Berliner Philharmoniker und die Wiener Philharmoniker. Neuerdings hat sie ihre Konzerttätigkeit auch auf Nord- und Südamerika sowie China ausgedehnt. Wiederholte Zusammenarbeit verbindet sie mit dem Australian Chamber Orchestra, dem Saint Paul Chamber Orchestra (Minnesota, USA) sowie mit den folgenden Dirigenten: Teodor Currentzis, Péter Eötvös, Iván Fischer, Gustavo Gimeno, Mirga Gražinytė-Tyla, Heinz Holliger, Wladimir Jurowski, Andrés Orozco-Estrada, Kirill Petrenko, Sir Simon Rattle und François-Xavier Roth.

Regelmäßige Kammermusikpartner sind die Pianisten Markus Hinterhäuser, Polina Leschenko und Anthony Romaniuk, die Cellistin Sol Gabetta und der Klarinettist Reto Bieri.

Das Repertoire von Kopatchinskaja reicht von der Renaissance über die Klassik bis zur Neuen Musik. Während ihres Kompositionsstudiums in Wien beschäftigte sie sich intensiv mit der Zweiten Wiener Schule: Arnold Schönberg, Anton Webern und Alban Berg. Zu ihren Lieblingskomponisten zählen außerdem György Kurtág, György Ligeti, die Schostakowitsch-Schülerin Galina Ustwolskaja und Michael Hersch.[7]

Historische Aufführungspraxis

Patricia Kopatchinskaja pflegt die Zusammenarbeit mit Originalklangensembles, z. B. mit Il Giardino Armonico, Orchestra of the Age of Enlightenment, Orchestre des Champs-Elysées und Akademie für Alte Musik Berlin sowie den Dirigenten Giovanni Antonini, Philippe Herreweghe und René Jacobs.

Leitung von Orchestern

Patricia Kopatchinskaja leitet bei ihren Soloauftritten oft auch das Orchester, z. B. das Australian Chamber Orchestra, die Camerata Salzburg, die Camerata Bern, das St. Paul Chamber Orchestra (USA), die Britten Sinfonia oder die Staatskapelle Berlin. Seit Herbst 2018 hat sie die künstlerische Leitung der Camerata Bern[8].

Sie konzipierte und leitete schon mehrere multimedial inszenierte Konzertproduktionen: „Tod und das Mädchen“ mit dem Saint Paul Chamber Orchestra, „Bye-Bye Beethoven“ mit dem Mahler Chamber Orchestra, „Dies Irae“ mit den Lucerne Festival Alumni und „Krieg und Chips“ sowie „Zeit und Ewigkeit“[9] mit der Camerata Bern. Im Sommer 2018 hatte sie als music director die künstlerische Leitung des Ojai Music Festivals in Kalifornien.

Geige

Patricia Kopatchinskaja spielt eine von Giovanni Francesco Pressenda (Turin) 1834 gebaute Geige[10], dem englischen Musikmagazin The STRAD zufolge „ein farbenreich klingendes Instrument, dessen Viola-ähnliche Qualität ihrem Spiel ein außerordentliches tonliches Interesse verleiht“. In Ensembles mit historischem Instrumentarium verwendet sie eine von Ferdinando Gagliano (Neapel) ca. 1780 gebaute Geige. Im Jahr 2010 spielte sie für kurze Zeit die 1741 von Guarneri del Gesù gebaute Violine „ex-Carrodus“, eine Leihgabe der Österreichischen Nationalbank. Auf deren weitere Verwendung musste sie verzichten wegen unlösbarer Probleme bei der Verzollung in der Schweiz.

Stimme

Patricia Kopatchinskaja setzt die Stimme in verschiedenen Kompositionen ein: In John Cages „Living Room Music“, Jorge Sanchez-Chiongs „Crin“, Michael Herschs Duo für Violine und Cello „Das Rückgrat berstend“, Heinz Holligers „Das kleine Irgendwas“, in ihrer Kadenz zu György Ligetis Geigenkonzert, in Kurt Schwitters' „Ursonate“[11] in Ligeti's "Mysteries of the Macabre"[12] oder in Schönbergs „Pierrot lunaire“.[13]

Gustavo Gimeno
© Marc Borggreve
Gustavo Gimeno

An diesem Abend habe ich plötzlich Tschaikowskys 4. Symphonie zu mögen gelernt. Dank der einmaligen Interpretation von Gustavo Gimeno, der hier auf den Pfaden von Yevgenij Mravinskij wandelt.

Tageblatt Luxembourg

Gustavo Gimeno ist Musikdirektor des Orchestre Philharmonique du Luxembourg (OPL) und designierter Chefdirigent des Toronto Symphony Orchestra (TSO).

Im Februar 2018 gab Gustavo Gimeno sein Debüt beim Toronto Symphony Orchestra und wurde im September desselben Jahres zum Chefdirigenten des Orchesters ernannt. Als 11. Chefdirigent des TSO tritt er seine vorerst auf fünf Jahre ausgelegte Amtszeit mit Beginn der Spielzeit 2020/2021 an und wird bis zu seinem offiziellen Amtsantritt bereits in mehreren Konzerten zu erleben sein.

Seit 2015 ist Gustavo Gimeno Musikdirektor des OPL. Er leitet den Klangkörper in vielfältigen Konzertformaten in Luxembourg und wird mit ihm in zahlreichen der wichtigsten Konzerthallen Europas auftreten. Mit Gastkonzerten in Deutschland, Spanien, Frankreich, Schweden und erstmals Südamerika knüpft er an erfolgreiche Tourneen der vergangenen Spielzeiten an. Solisten wie Krystian Zimerman, Yuja Wang, Anja Harteros, Bryn Terfel oder Frank Peter Zimmermann kehren regelmäßig nach Luxembourg zurück, um das Podium mit dem OPL und seinem Chefdirigenten zu teilen. Zu den Höhepunkten der aktuellen Saison zählen Gustav Mahlers 3. Sinfonie, für die erneut der Wiener Singverein nach Luxembourg eingeladen wurde, die Uraufführung von Francisco Colls Violinkonzert mit Patricia Kopatchinskaja, sowie Konzerte unter anderem in Buenos Aires und São Paulo mit der Geigerin Janine Jansen.

Zusammen mit dem Klassiklabel PENTATONE wird die 2017 begonnene Aufnahmeserie mit dem OPL fortgesetzt. Bereits erschienen sind die 1. Sinfonien von Dmitri Schostakowitsch und Anton Bruckner, Maurice Ravels komplette Ballettmusik zu „Daphnis et Chloé“, Gustav Mahlers 4. Sinfonie, Igor Strawinskys „Le Sacre du printemps“, sein wiederentdeckter „Chant funèbre“ und die Ballettmusiken zu „Jeu de cartes“ und „Agon“, sowie jüngst Gioachino Rossinis „Petit Messe solennelle“.

Darüber hinaus ist Gustavo Gimeno weltweit gefragter Gastdirigent. Er dirigiert 2019/2020 unter anderem das Concertgebouworkest, National Symphony Orchestra Washington, Cincinnati Symphony Orchestra, City of Birmingham Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra, Orchestra Sinfonica Nazionale della Rai, die Münchner Philharmoniker sowie das Orchestra of the Eighteenth Century.

Im Februar 2020 verlängerte er seinen Vertrag mit dem OPL bis zur Saison 2014/25.

Bamberger Symphoniker
© Andreas Herzau
Bamberger Symphoniker

Die Bamberger Symphoniker sind ein außergewöhnliches Orchester in einer außergewöhnlichen Stadt. Bamberg ohne seine Symphoniker, das wäre eine Stadt, der etwas Wesentliches fehlte, etwas Elementares, wie die Luft zum Atmen: Fast 10% der heimischen Bevölkerung sind Abonnenten in einer der fünf eigenen Konzertreihen. Hinzu kommen etliche, ebenfalls fast ausnahmslos ausverkaufte Sonderkonzerte, so dass im Schnitt jeder Bamberger Bürger einmal im Jahr ein Konzert seines Orchesters besucht.

Und doch sind die Bamberger Symphoniker weit mehr als das musikalische Zentrum der Stadt und der ganzen Region. Sie sind eines der reisefreudigsten Orchester Deutschlands überhaupt:
Seit 1946 begeistern sie ihr Publikum weltweit mit ihrem charakteristisch dunklen, runden und strahlenden Klang. Mit weit mehr als 7.000 Konzerten in über 500 Städten und 63 Ländern sind sie zudem als Bayerische Staatsphilharmonie zum Kulturbotschafter Bayerns und ganz Deutschlands geworden und regelmäßig weltweit unterwegs. Viele Preise und Auszeichnungen erhielt das Orchester, unter anderem für seine unzähligen Schallplatten- und CD-Produktionen. 2018 wurden die Bamberger Symphoniker für das »Beste Konzert-programm der Saison« ausgezeichnet.

Die Umstände ihrer Gründung machen die Bamberger Symphoniker zu einem Spiegel der deutschen Geschichte:

1946 trafen ehemalige Mitglieder des Deutschen Philharmonischen Orchesters Prag in Bamberg auf Musikerkollegen, die ebenfalls infolge der Kriegs- und Nachkriegswirren aus ihrer Heimat hatten fliehen müssen, und gründeten das »Bamberger Tonkünstlerorchester«, kurze Zeit später umbenannt in Bamberger Symphoniker. Ausgehend von dem Prager Orchester lassen sich Traditionslinien bis ins 19. und 18. Jahrhundert ziehen. Damit reichen die Wurzeln der Bamberger Symphoniker zurück bis zu Mahler und Mozart.

Seit September 2016 ist der Tscheche Jakub Hrůša der fünfte Chefdirigent in der Geschichte der Bamberger Symphoniker, und sein Vertrag wurde bereits bis 2026 verlängert. Mit seiner Person spannt sich nun, mehr als sieben Jahrzehnte nach der Orchestergründung, wieder eine Brücke zwischen den geschichtlichen Wurzeln der Bamberger Symphoniker und ihrem Heute.

Konzertsaal

Heinrich-Lades-Halle

Heinrich-Lades-Halle Erlangen, Innen
© Detlef Overmann | EKM GmbH
Großer Saal, Heinrich-Lades-Halle
© Detlef Overmann | EKM GmbH

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