© Kevin Westenberg
Nicola Benedetti

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Staatliches Sinfonieorchester Estland

(Nicola Benedetti / Mihhail Gerts)

Dienstag, 24. September 2019, 20 Uhr
Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal
Rathausplatz 1, 91052 Erlangen

Die großartige Nicola Benedetti mit einem großartigen Programm beim gVe. Sibelius Violinkonzert und Bruckners 4. Symphonie – ein highlight!

Staatliches Sinfonieorchester Estland
Nicola Benedetti,
Violine
Mihhail Gerts, Leitung

Heino Eller
Koit (Sonnenaufgang)

Jean Sibelius
Violinkonzert d-Moll op. 47

Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 4 Es-Dur

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Nicola Benedetti
© Rhys Frampton

Es gibt eine erstaunliche Verbindung zwischen der berühmten Barbie-Puppe und der berühmten Nicola Benedetti. Aber lesen Sie selbst!

Auf den ersten Blick könnte man Nicola Benedetti für ein Top-Model halten: Penelope Cruz oder die junge Brigitte Bardot haben mit diesem „Babe-look“ Karriere gemacht.

Die Laufbahn der Geigerin Nicola Benedetti begann – irgendwie passend zum Schmollmund und der langen Mähne – im Jahre 2003 bei Mattel: Ja, das ist der Barbiepuppen-Konzern!

Nicola Benedetti spielte damals für Mattel den Soundtrack zur DVD „Schwanensee-Barbie“ ein. Mattel nutzte das Aussehen der gerade einmal 16-jährigen für Werbezwecke und legte noch ein Feature über den schönen und musikalisch hochtalentierten Teenager der Produktion bei. Das ist lange her.

Benedetti, inzwischen 32 Jahre, hat im Laufe dieser 16 Jahre viel aus diesem „Barbie“-Start gemacht. Doch der Reihe nach: Nicola Benedetti wurde in West Kildrige, an der Westküste Schottlands, 1987 als Tochter eines Italieners und einer Schottin geboren. Zu Hause hörten Nicola und ihre Eltern „Abba“ und die „Bee Gees“. Mit fünf Jahren begann sie, Geige zu spielen.

Mit zehn Jahren wurde sie an der Yehudi Menuhin School (in Stoke D´Abernon, südwestlich von London) aufgenommen. Mit 17 spielte sie beim Wettbewerb „BBC Young Musician of the Year“ das Violinkonzert von Karol Szymanowski, gewann und wurde über Nacht berühmt.

Dieser Erfolg bescherte ihr einen Vertrag über eine Million britische Pfund mit der „Deutschen Grammophon“ für sechs Alben. Selbstredend, dass alle Produzenten den Model-Look von „Nicky“, wie sie gerne genannt wird, nutzen. Die CD-Alben sind allesamt zuerst Hingucker, erstklassige Künstlerphotographie. Ja, auch das gehört heute dazu.
Mit ihren CDs stürmt sie nicht nur die Klassik-, sondern auch die Pop-Charts. Ihre Mission: Die Klassik aus dem elitären Elfenbeinturm zu befreien.
In der überraschend reichen Sammlung von Einspielungen findet sich viel aus der Violinliteratur, aber auch unspezifische Werke: Da sind die klassischen Violinkonzerte von Mozart, Mendelssohn, Tschaikowski, Szymanowski, ein Schostakowitsch-Album. Auf der anderen Seite gibt es Mischalben mit Filmmusik wie „Schindlers Liste“ oder dem Tango aus Al Pacinos „Duft der Frauen“, die Musik zu „Jane Eyre“ und dem Korngold-Violinkonzert. Es existiert eine CD „Italia“, mit der auf die halbitalienischen Wurzeln der Geigerin angespielt wird: Das Cover zeigt in nostalgischen Sepia-Farben Nicola Benedetti im 60er-Jahre-Outfit sich charmant umblickend vor einer Vespa. Wer nun italienische Canzoni der 60er-Jahre erwartet, täuscht sich: Benedetti spielt italienische Violinkonzerte der Barockzeit.

Dabei ist Nicola Benedetti sehr heimatverbunden, aber mehr mit Schottland, ihrem „Mutterland“. Natürlich gibt es auch dazu eine Aufnahme: Sie heißt „Home coming“, beinhaltet Bruchs „Schottische Fantasie“, Werke von Skinner und Traditionals entweder zusammen mit dem „BBC Scottish Symphonie Orchestra“ oder mit Partnern volkstümlicher Musikinstrumente wie Akkordeon.

Mit 20 Jahren, 2007, wurde Nicola Benedetti die Ehrendoktorwürde der Glasgow Caledonian University verliehen. 2011 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der University of Edinburgh. 2012 trat sie als Solistin bei der populären „Last Night of the Proms“ in der Royal Albert Hall in London auf und erreichte durch die TV-Ausstrahlung in alle Welt ein Millionenpublikum.

Soviel Ruhm hat der 32-jährigen Virtuosin immer wieder herausragende Instrumente (als Leihgabe) beschert: eine Guarneri, die Stradivari „Earl Spencer“ und zur Zeit die Stradivari „Gariel“ von 1717 aus dem Besitz von Prinzessin Diana mit einem geschätzten Wert von zwei Millionen Pfund. Sie selbst sagte einmal, wenn ein Feuer in ihrem Heim ausbräche, würde sie zuerst die Violine packen, dann die Katze. Allerdings hoffe sie, dass in solch einem Fall alle drei, sie, die Katze und die Stradivari unbeschadet entkämen.

In Erlangen wird die vitale Künstlerin mit dem Sibelius-Violinkonzert zu erleben sein. Sie liebt dieses Werk, sagt, dass es im ersten Satz „in der Exposition einen der besten Momente der gesamten Violinliteratur gibt.“ Als „außergewöhnlich und risikofreudig“ charakterisiert eine Kritikerin der Times Benedettis furioses, energiegeladenes Spiel.

Zusammen mit dem Staatlichen Sinfonieorchester Estland unter der Leitung des estnischen Dirigenten Mihhail Gerts dürfte das eine aufregende Angelegenheit werden. Das estnische Orchester wartet zudem im zweiten Teil des Konzerts mit einem berühmten, klangvollen Werk auf: Bruckners Vierte Sinfonie, die „Romantische“, ist eines der herausragenden Werke des 19. Jahrhunderts.

Text: Sabine Kreimendahl

Nicola Benedetti
© Rhys Frampton
Nicola Benedetti

Nicola Benedetti gehört zu den gefragtesten Geigerinnen ihrer Generation. Die Schottin mit italienischen Wurzeln erhielt bereits im Alter von fünf Jahren ihren ersten Geigenunterricht. 1997 wurde sie an der Yehudi Menuhin School aufgenommen, wo sie von Natascha Bojarskaja unterrichtet wurde. Im Anschluss setzte sie ihre Studien bei Maciej Rakowski in London und später bei Pavel Vernikov in Wien fort.

Nicola Bendetti ist gleichermaßen bei den großen, internationalen Orchestern und Dirigenten gefragt. Sie arbeitet gerne mit den besten Orchestern der Welt zusammen. So trat sie z.B. mit dem London Symphony Orchestra, London Philharmonic Orchestra, New York Philharmonic, National Symphony Orchestra of Washington D.C., Orchestra of the Mariinsky Theatre, dem Gewandhausorchester zu Leipzig, Frankfurt Radio Symphony, der Camerata Salzburg, der Tschechischen Philharmonie, dem Danish National Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, San Francisco Symphony und dem Chicago Symphony im Rahmen des Ravinia Festivals auf.

In der Saison 2018/2019 gab Nicola Benedetti ihr Debüt beim Royal Stockholm Philharmonic und konzertierte mit dem BBC Symphony Orchestra, Chicago Symphony, Lucerne Symphony Orchestra, Royal Scottish National Orchestra, Orchestre National du Capitole de Toulouse, Orchestre de Bretagne, Seattle Symphony, San Francisco Symphony, Frankfurter Museumsorchester, Toscanini Orchestra und dem Philharmonia Orchestra unter der Leitung von Pablo Heras-Casado. Darüber hinaus ging sie mit dem Scottish Chamber Orchestra und Mozarts Violinkonzerten auf Tournee.

Zusammen mit ihrem Duopartner, dem Pianisten Alexei Grynyuk, konzertiert sie regelmäßig weltweit in den führenden Konzerthäusern und bei Festivals. Zuletzt war sie zu Gast in der Royal Albert Hall, Wigmore Hall, Concertgebouw Amsterdam, in den großen Konzertsälen in Utrecht, Rom, Kopenhagen, Dortmund, Ludwigshafen, Bielefeld und Kiel.

Nicola Benedetti ist eine bekennende Kammermusikerin und tritt zusammen mit Alexei Grynyuk und dem Cellisten Leonard Elschenbroich seit 2008 auch im Trio auf. Zuletzt waren sie in der Cadogan Hall in London, im Amsterdamer Concertgebouw, in Birmingham in der Symphony Hall, beim Edinburgh Festival, der Glasgow Royal Concert Hall, in der Alten Oper in Frankfurt, beim Ravinia Festival in New York und in der City Hall von Hong Kong.

Nicola Bendetti engagiert sich sehr für die musikalische Bildung und die Förderung junger Talente. So hat sie in der Vergangenheit Kooperationen mit Schulen, Musikhochschulen und Kommunalbehörden aufgebaut. 2010 wurde sie zu Sistema Scotland‘s musikalischer „Big Sister“ für das Big Noise Project ernannt, ein Projekt, das in Zusammenarbeit mit Venezuelas El Sistema (Fundación Musical Simón Bolívar) entstanden ist. Darüberhinaus etablierte Nicola Benedetti ihr eigenes Ausbildungs- und Förderungsprogramm: „The Benedetti Sessions“. Hunderte junger, talentierter Streicher erhielten bereits die Möglichkeit zu proben, an Meisterklassen mit Nicola Benedetti teilzunehmen oder – als Höhepunkt – mit ihr in einem Konzert aufzutreten. Mit „The Benedetti Sessions“ war sie bereits in der Royal Albert Hall, beim Cheltenham Festival und der Royal Concert Hall Glasgow zu Gast und beabsichtigt, dieses Programm weltweit fortzuführen.

Die Exklusivkünstlerin von DECCA (Universal Music) wurde 2012 und 2013 als beste weibliche Künstlerin der Classical BRIT Awards ausgezeichnet. Ihre jüngsten CD-Einspielungen mit den Violinkonzerten von Schostakowitsch und Glazunov wurden von Kritikern hoch gelobt. 2017 wurde sie mit der Queen’s Medal for Music ausgezeichnet und war damit die jüngste Musikerin, die je diesen Preis entgegen nehmen durfte. In Anerkennung ihrer internationalen Karriere und ihres Engagements für wohltätige Projekte in Großbritannien wurde sie 2013 sie als Mitglied in den Most Excellent Order of the British Empire aufgenommen.

Nicola Benedetti spielt die „Gariel“-Stradivari (1717), die freundlicherweise von Jonathan Moulds als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurde.

Mihhail Gerts
© Kaupo Kikkas
Mihhail Gerts

„... sein Dirigieren war mit einer erstaunlichen Präzision, expressiven Gesten und Herzlichkeit von der ersten bis zur letzten Note mitreißend. Gerts wuchs vollkommen über die technischen Herausforderungen des Dirigierens hinaus, ohne auch nur eine Sekunde lang die Spannung schwächer werden zu lassen.“ (Rponline.de)

Nach jüngsten Debüts mit Orchestern wie dem NHK Symphony Orchestra, Osaka Philharmonic Orchestra und der Staatkapelle Weimar gehören die Zusammenarbeit mit dem Janáček Philharmonic Orchestra Ostrava, der Estonian National Opera (Wagners Der Fliegende Holländer) und der National Philharmonic of Russia zu Mihhail Gerts Höhepunkten der Saison 2017/2018. Weitere Engagements der Saison waren unter anderem mit dem Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo, den Bremer Philharmonikern, dem Beethoven Orchester Bonn oder dem Orchestre Regional de Cannes.

Gerts startete die Saison 2018/2019 mit Konzerten von Beethovens Missa Solemnis in Estland, gefolgt von Debüts mit dem Taipei Symphony Orchestra und Hélène Grimaud sowie der Oulu Sinfonia, mit welcher er Hans Rotts selten gespielte 1. Sinfonie aufführte. Ferner wird Gerts eine neue Produktion der Oper Dante von Benjamin Godard in der Oper Saint-Etienne dirigieren. Er arbeitet regelmäßig mit Orchestern wie dem Orchestre National de Lille, dem Estonian National Symphony Orchestra und dem National Philharmonic Orchestra of Russia zusammen.

Mihhail Gerts hat langjährige Erfahrung als Erster Kapellmeister und stellvertretender GMD am Theater Hagen (2015–2017) sowie als Resident Conductor an der Estonian National Opera (2007–2014). In dieser Zeit dirigierte er mehr als 40 verschiedene Opern- und Ballett-Produktionen. Zahlreiche Engagements als Gastdirigent führten ihn zu Institutionen wie dem Teatro la Fenice, Teatro delle Muse, Mikhailovsky Theater St. Petersburg, Belarus National Opera und vielen mehr.

Gerts absolvierte sein Studium an der Estonian Academy of Music und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin, welches er im Jahr 2011 mit Doktortitel (PhD) abschloss. Von 2013 bis 2017 war er Stipendiat des Dirigentenforums des Deutschen Musikrates.

ERSO
© Krõõt Tarkmeel
Estonian National Symphony Orchestra

Das Estonian National Symphony Orchestra (auf estnisch Eesti Riiklik Sümfooniaorkester oder ERSO genannt) ist das am längsten kontinuierlich arbeitende professionelle Orchester Estlands. Der Ursprung seiner Geschichte geht auf das Jahr 1926 zurück und ist eng mit der Geburtsstunde des nationalen Rundfunks verbunden. Seit 2010 wird das Orchester von Chefdirigent und künstlerischen Direktor Neeme Järvi geleitet, während Paavo Järvi seit 2002 als künstlerischer Berater des Orchesters tätig ist. Zudem ist seit 2007 Olari Elts als erster Gastdirigent beim ERSO tätig. Weitere Chefdirigenten des Orchesters waren in der Vergangenheit Olav Roots (1939–1944), Paul Karp (1944–50), Roman Matsov (1950–63), Neeme Järvi (1963–1979), Peeter Lilje (1980–1990), Leo Krämer (1991–1993), Arvo Volmer (1993–2001) und Nikolai Alexeev (2001–2010).

Das ERSO arbeitet regelmäßig mit namhaften internationalen, aber auch estnischen Dirigenten und Solisten zusammen. Es veröffentlichte bereits zahlreiche CD-Aufnahmen (erschienen bei u.a. Chandos, BIS, Erato, Harmonia Mundi, ECM, Virgin Classics, ERP), die von renommierten Musik-Magazinen für höchste Qualität gelobt wurden und für die dem Orchester bereits verschiedene Preise, darunter ein Grammy Award, verliehen wurden. Neben Sendungen im Estnischen Rundfunk wurden Konzerte des ERSO ebenfalls auf dem bekannten Musikfernsehsender Mezzo ausgestrahlt. Der heimatliche Spielort des ERSO ist die Estonia Concert Hall in Tallinn, zudem ist das Orchester auf zahlreichen Tourneen unterwegs wie beispielsweise durch Italien im Jahr 2003, durch die USA 2009, 2013, 2018 und durch China im Jahr 2016. Das ERSO konzertiert regelmäßig in europäischen und skandinavischen Ländern und tritt bei renommierten Festivals in Köln, New York, Verona, Genua, München, Stockholm und vielen mehr auf. Das Repertoire des Orchesters reicht vom Barock bis zur Gegenwart und es ist zudem bekannt für zahlreiche (Ur-)Aufführungen von Werken estnischer Komponisten wie Arvo Pärt, Erkki-Sven Tüür, Eduard Tubin, Eino Tamberg, Jaan Rääts, Lepo Sumera, Tõnu Kõrvits und Helena Tulve.

Die Festivitäten im Rahmen des einhundertjährigen Bestehens der Republik Estland im Jahr 2018 führten das ERSO auf erfolgreiche Tourneen nach Hongkong, Deutschland, Georgien und USA. Im Rahmen des Festival Baltikum im Februar 2018 und kurz vor der Jahrhundertfeier der Republik Estland führte Maestro Neeme Järvi zusammen mit dem ERSO „Des Jona Sendung“ des estnischen Komponist Rudolf Tobias im Konzerthaus Berlin auf.

Konzertsaal

Heinrich-Lades-Halle

Heinrich-Lades-Halle Erlangen, Innen
© Detlef Overmann | EKM GmbH
Großer Saal, Heinrich-Lades-Halle
© Detlef Overmann | EKM GmbH

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