Joana Mallwitz
© Simon Pauly
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Joana Mallwitz

(Konzerthausorchester Berlin / Kian Soltani)

Wo

Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal, Erlangen

Tag

Uhrzeit

Besetzung

Konzerthausorchester Berlin  
Kian Soltani, Violoncello
Joana Mallwitz, Leitung

Programm

Lili Boulanger
D’un matin de printemps (Arr. Iain Farrington)

Pjotr Iljitsch Tschaikowski
Variationen über ein Rokoko-Thema für Violoncello und Orchester A-Dur op. 33

Pjotr Iljitsch Tschaikowski
Nocturne op. 19 Nr. 4 (Bearbeitung für Violoncello und Orchester)

Franz Schubert
Sinfonie Nr. 9 C-Dur D 944 („Die Große“)

Artist of Reference für die beliebte Dirigentin in der gVe-Saison 2024/25

Joana Mallwitz zählt zu den berühmtesten und beliebtesten Dirigentinnen, die auf dem Weg ganz nach oben sind. Die Nürnbergerinnen und Nürnberger sind stolz, diese Frau über fünf Jahre (von 2018 bis 2023) als Chefdirigentin der Philharmoniker erlebt zu haben. Die Karriere von Joana Mallwitz geht steil weiter. Sie selbst bezeichnet ihre berufliche Entwicklung als ein stetiges Crescendo der letzten Jahre, welches mit einer gigantischen konzertanten Abschiedsparty mit 65.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im Luitpoldhain gefeiert wurde.

Mallwitz ist medienwirksam, wird von Journalisten und jüngst auch Filmemachern regelrecht belagert. Es genügt vielen Fans nicht, sie als Dirigentin zu erleben. Die Dokumentation „Momentum“ hat im Frühjahr für weitere Furore gesorgt.

Konzerte mit Mallwitz am Pult sind meistens ausverkauft. Mallwitz wird zum Hype, ohne das selbst zu forcieren. Personenkult und die Betonung auf die besondere Rolle als Frau in einer allzu lange männlichen Domäne gehen ihr auf die Nerven, langweilen sie. In der interessanten Dokumentation „Maestras – The Long Journey of Women to the Podium“ formuliert Joana Mallwitz dies ein wenig verärgert so: „Rein dieses Frauenthema auszuspielen, ist für mich einfach uninteressant. Ich möchte mit so etwas nicht meine Gedanken verschwenden. Ich kann an diese Sache nur herangehen als ich selbst. Ich bin eben eine Frau, … und nur so kann ich es machen. Das einzig wirklich Starke an einem Musiker ist die Authentizität, er selbst zu sein. Daraus schöpft sich die Kraft. Und vielleicht ist das gerade die Zeit, dass Frauen nicht nur Dirigentinnen sein können, sondern Dirigentin sein können genauso wie sie sind.“

Im Film „Momentum“ sagt Mallwitz: „Wenn ich mein Leben lang Dirigentin gewesen sein werde, werde ich vielleicht auch am meisten über mich selbst herausgefunden haben. Das möchte ich.“

© Sima Dehgani
© Sima Dehgani

Das ist die eine Seite. Es geht ihr in ihrer Wirkung und in ihrem Wirken aber auch um das, was Herbert Blomstedt, der 97-jährige große, weise schwedische Dirigent (der auch bei einer gVe-Exkursion zu den „Bambergern“ im Sommer 2018 zu erleben war) in dem lesenswerten Interviewbuch „Mission Musik“ (von Julia Spinola, Henschel 2017) beobachtet hat: In Japan werde das Publikum gut erreicht, „nicht nur durch die Konzerte, sondern auch durch Diskussionen, Vor- und Nachbereitungen und Einführungen, Proben. Sie laden Musiker, einfache Zuhörer und Kritiker ein, damit ein Dialog entsteht. Dieses Engagement ist ein Grund dafür, warum das Interesse für klassische Musik in Japan so groß ist. Das funktioniert wunderbar. Wer die Musik in die Zukunft führen will, muss alle Seiten zusammenbringen.“ 

Auch der 39-jährigen Dirigentin Mallwitz geht es um die Musik, um die lebendige, intensive Vermittlung von Werken, um den Kontakt zu den Orchestermusikern, zum Publikum, damit der musikalische Funke idealerweise alle Anwesenden erreicht.

Dies war mit ein Grund für den gVe-Vorstand, Mallwitz als Artist of Reference für das Cover des Saisonheftes 2024/25 auszuwählen.

© Sima Dehgani

Einige, wenige gVe-Mitglieder hatten im Januar 2022 Gelegenheit, einer Generalprobe mit den Nürnberger Philharmoniker mit Mozarts Klarinettenkonzert und Tschaikowskis Sinfonie Nr. 4 in Nürnberg beizuwohnen: Es war spannend zu sehen, wie Mallwitz in der Musik auflebte und dem Orchester ihre vitale, professionelle und hochmusikalische Gegenwärtigkeit vermittelte. Das Orchester ist wahrlich ihr Instrument, dem sie mit angenehmer Autorität und präziser Probenarbeit alles abverlangt. 

Viele gVe-Konzertbesucherinnen und -besucher werden sich freuen, Mallwitz nun mit ihrem „neuen“ Spitzenorchester, dem Berliner Konzerthausorchester, live in Erlangen zu erleben.

Auf dem Programm stehen im ersten Teil zwei Tschaikowski-Werke für Cello und Orchester. Hierbei wird der 32-jährige, iranisch-österreichische Cellist Kian Soltani die berühmten Rokoko-Variationen und die Nocturne op. 19 Nr. 4 in einer Bearbeitung für Violoncello präsentieren. Im zweiten Teil ist Schuberts wunderbare „Große Sinfonie“ in C-Dur zu erleben. Soviel steht fest: Mallwitz und das Berliner Konzerthausorchester werden aus diesem großartigen Werk alles hervorzaubern und Bekanntes in neues, feines, farbenreiches Licht stellen!

Text: Johanna Wilhelmi