Sonderkonzert
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National Symphony Orchestra of Ukraine

(Olga Scheps / Volodymyr Sirenko)

Wo

Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal, Erlangen

Tag

Uhrzeit

Besetzung

Olga Scheps, Klavier
Volodymyr Sirenko, Leitung

Programm

Boris Lyatoshynsky
Symphonic poem „Grazhyna”

Franz Liszt
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 Es-Dur

Jean Sibelius
Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43

Musik überwindet Krieg: Die Pianistin Olga Scheps und das Ukrainische Nationalorchester musizieren beim gVe

Eigentlich sollte die Pianistin Olga Scheps schon in der Saison 2021/2022 nach Erlangen kommen. Das hat Corona-bedingt nicht geklappt. Nun ist es soweit, und die leidenschaftliche Pianistin macht aus ihrer musikalischen Mission auch eine menschliche: In ihrer Wahlheimat Köln hat sie sich schockiert über Putins Krieg in der Ukraine geäußert. Konsequent, wie sie ist, hat sie beschlossen, die Musik als Botschafterin für den Frieden einzusetzen: In Köln steht Liszts 1. Klavierkonzert unter dem Motto „Friedenskonzert“. Auch in Erlangen wird dies ein besonderer Konzertabend, der mit einer vom gVe eigens eingerichteten Spendenaktion für die Ukraine verbunden ist. Das ukrainische Nationalorchester hat diese Tour vom Verteidigungsministerium genehmigt bekommen, muss sich nach der Tour wieder zurückmelden: All das ist – von den künstlerischen Qualitäten aller Beteiligten abgesehen – ein Grund mehr, sich Karten für diesen Abend zu besorgen!

Olga Scheps ist nicht nur besessen von ihrem Beruf, es ist mehr: sie spricht von einer Berufung als Pianistin, die sie schon in Kindheitstagen spürte. Das bedeutet auch: keine Wochenenden, kaum Urlaube, permanentes intensives Üben, Disziplin im alltäglichen Leben, auch wenn es inzwischen einen festen Partner und einen dreijährigen Sohn gibt. Daran änderten auch die Corona-Pandemie und die auftrittsfreie Zeit nichts. Sie hat das teils genossen, wie sie in einem Interview sagt: „Ich habe mehr Zeit als sonst mit meiner Familie verbracht. Ich war zwar regelmäßig am Klavier, aber ich war auch jeden Tag zu Hause.“

Doch nur die Übung macht es nicht: Olga Scheps gehört zu den großen Nachwuchspianistinnen unserer Zeit. Die 36-Jährige ist leidenschaftlich und unglaublich fantasievoll, sie fühlt sich am Klavier wie ein „Fisch im Wasser“, sagt ihr ehemaliger Lehrer Pavel Gililov. Sie lernte Klavierspielen wie Laufen, Radfahren, Lesen, Schreiben. Die attraktive Pianistin spricht übrigens Russisch, Englisch und Deutsch fließend. Kein Geringerer als Alfred Brendel förderte vor 20 Jahren die damals erst 15-Jährige.

Olga Scheps ist Perfektionistin, die dennoch warmherzig, menschlich bleibt, wenn sie ihr hehres Ziel verfolgt: „Wenn ich fühle, dass ein magischer Zauber im Livekonzert spürbar ist, macht mich das glücklich und zufrieden. Das entschädigt für alles; für den Aufwand, das Reisen, das harte Arbeiten. Ich liebe die Musik und bin sehr dankbar für diese Möglichkeit, mich auszudrücken. Ich kann mit der Musik so vieles erzählen, mitteilen. Es ist meine Sprache, und ich arbeite immer daran, mich darin zu verbessern. Ich möchte aus dem Flügel das Unmögliche herausholen. Mein Publikum nehme ich mit auf diesem Weg.“

Nebenher hätte die aparte Pianistin vermutlich auch als Model Karriere machen können. Das hört sie jedoch nicht gerne: „Wenn man möchte, dass die Klassik nichts mit Äußerlichkeiten zu tun haben sollte, dann muss man das Aussehen nicht jederzeit thematisieren. Jeder Künstler hat das Recht so auszusehen, wie er möchte.“ Die große Klassikbranche sieht das freilich anders. „Da hat sich viel verändert“, sagt Olga Scheps: „Ich bin bei meinen Eltern (beide stammen aus Moskau und sind Pianisten: der Vater Klavierprofessor in Aachen, die Mutter Klavierpädagogin) mit der Ästhetik eines Emil Gilels, Vladimir Horowitz, Evgenij Kissin aufgewachsen. Die Pianisten spielten damals ein einziges Programm mit dem sie ein Jahr auf Tour gingen. Heute hingegen sieht das so aus: Ich habe in einem Jahr etwa 100 Konzerte, spiele das Repertoire für drei Soloklavierabende, sechs verschiedene Klavierkonzerte mit Orchester, mache Kammermusik und studiere noch zwei große Werke ein.“

Bei allem Perfektionismus, bei allen großen Erfolgen, die Olga Scheps hat, bleibt sie im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Teppich: Um mit dem Klappern ihrer oft hochhackigen Schuhe durch Nebengeräusche nicht von der Musik abzulenken, bringt Olga Scheps immer einen eigenen kleinen „fliegenden Teppich“ mit, den sie zwischen Pedal und Klavierhocker legt.

Franz Liszts erstes Klavierkonzert hat Olga Scheps viele Male auf der Bühne mit verschiedenen Orchestern und Dirigenten aufgeführt. Es ist ein Werk, das zu ihr passt. So durchdringt sie den virtuosen Komponisten Franz Liszt mit der Ausbildung und Erfahrung, welche die russische Schule kennzeichnet: Es ist die fantasievolle Deutung und Gestaltung der Motive und Themen, ein warmer großer singender Ton und natürlich eine bewundernswerte präzise, kraftvolle Technik. Mit dem National Symphony Orchestra of Ukraine unter der Leitung seines Chefdirigenten Volodymyr Sirenko treffen da verwandte künstlerische Seelen zusammen. Kontrastreich wird dieses Konzert mit dem symphonischem Gedicht „Grazhyna“ des ukrainischen Komponisten Boris Lyatoshynsky (1895-1968) und Jean Sibelius´ 2. Sinfonie.

Text: Sabine Kreimendahl

Olga Scheps
© Uwe Arens
Volodymyr Sirenko
© M&B Concerts

Olga Scheps

„Kraft und Seele, die Klavierpoetin Olga Scheps im Herkulessaal …“
(Dr. Klaus Peter Richter, Süddeutsche Zeitung, 5. Mai 2013)

Geboren 1986 in Moskau, entdeckte die Tochter zweier Pianisten im Alter von vier Jahren das Klavierspiel für sich. Ihre Studien auf dem Instrument intensivierte sie nach dem Umzug der Familie nach Deutschland 1992. Bereits in jungem Alter entwickelte sie ein Klavierspiel, das intensive Emotionalität und Ausdrucksstärke mit außergewöhnlichem pianistischen Können vereint. Dieses Talent entdeckte auch Alfred Brendel, der die junge Olga Scheps förderte. Ihr Studium bei Prof. Pavel Gililov in ihrer Wahlheimat Köln schloss die Stipendiatin der „Deutschen Stiftung Musikleben“ und der „Studienstiftung des deutschen Volkes“ 2013 mit dem Konzertexamen mit Auszeichnung ab. Ihre Kenntnisse vertiefte sie bei Prof. Arie Vardi und Prof. Dmitri Baschkirow.

Olga Scheps’ Repertoire umfasst neben den großen Werken der Klavierliteratur auch Kompositionen, die selten auf Konzertbühnen gespielt werden, darunter die posthumen Etüden von Frédéric Chopin, Franz Liszts „Malédiction“, „Les Oiseaux exotiques“ von Olivier Messiaen, „Lamentate“ von Arvo Pärt, das Klavierquintett von Mieczysław Weinberg und Antonín Dvořáks Klavierkonzert.

Ihre Solo-Recitals sind beim Publikum in aller Welt ebenso gefragt wie ihre Auftritte als So- listin mit Orchester und ihre kammermusikalischen Projekte.

Namhafte Dirigenten wie Thomas Dausgaard, Lorin Maazel, José Serebrier, Marcus Bosch, Ralf Weikert, Michel Tabachnik, Antoni Wit, Ivor Bolton, Cristian Mandeal, Christoph Altstaedt, Tugan Sokhiev, Simone Young, Markus Poschner und Pablo Heras-Casado luden Olga Scheps zur Zusammenarbeit ein.

Die Pianistin trat mit renommierten Orchestern wie dem Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo, dem Warsaw Philharmonic Orchestra, dem Mozarteum Orchester Salzburg, den Münchner Symphonikern, dem Royal Scottish National Orchestra, der Russischen Staatskapelle Moskau, der Staatskapelle Weimar, dem Zürcher Kammerorchester, der NDR Radiophilharmonie, dem Orchestre National du Capitole de Toulouse, der Prague Philharmonia, dem Israel Philharmonic Orchestra und dem New Japan Philharmonic Orchestra auf.

Heute konzertiert Olga Scheps mit großem Erfolg in weltbekannten Konzerthäusern wie der Elbphilharmonie, der Berliner und Kölner Philharmonie, dem Wiener Konzerthaus, der Cadogan Hall London, der Tonhalle Zürich und der Suntory Hall in Tokyo. Sie ist ein gefragter Gast bei Festivals wie dem Rheingau Musik Festival, den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem Kissinger Sommer, dem Heidelberger Frühling, dem Klavier-Festival Ruhr, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, dem MDR Musiksommer, dem Lucerne Festival am Piano, dem ACHTBRÜCKEN Festival in Köln, dem Mozartfest Würzburg, dem Mersin Festival in der Türkei und dem Menuhin Festival Gstaad.

Als leidenschaftliche Kammermusikerin konzertiert Olga Scheps mit Künstlern wie Alban Gerhardt, Daniel Hope, Adrian Brendel, Jan Vogler, Nils Mönkemeyer, dem Danish String Quartet und dem Kuss Quartett, mit dem sie das Klavierquintett von Mieczysław Weinberg eingespielt hat.

Seit 2009 ist Olga Scheps Exklusivkünstlerin bei Sony Classical. Ihr Debüt-Album „Chopin“ gewann gleich einen ECHO Klassik. Auch ihre folgenden Einspielungen „Russian Album“ (2010) und „Schubert“ (2012) wurden von den Kritikern hoch gelobt. 2014 erschien ihre Aufnahme von Chopins Klavierkonzerten Nr. 1 und 2 mit dem Stuttgarter Kammerorchester. Den Erfolg ihres Solo-Albums „Vocalise“, veröffentlicht 2015, konnte ihr Album „Satie“ zum 150. Geburtstag des französischen Komponisten noch übertreffen: Es landete auf Anhieb auf Platz 1 der deutschen Klassik Charts.

Ihre CD „Tschaikowsky“ erschien im Oktober 2017. Neue Wege ging sie mit dem Album „100 % Scooter – Piano Only“ auf dem sie Arrangements der bekanntesten Scooter- Hits von Sven Helbig eingespielt hat. Im März 2019 erschien Olga Scheps’ Album „Melody“ mit Stücken aus vier Jahrhunderten von Bach bis Aphex Twin. Ihre Aufnahme des Weinberg Klavierquintetts mit dem Kuss Quartett wurde Ende 2019 veröffentlicht.

Olga Scheps ist „Steinway Artist“.

Volodymyr Sirenko

Volodymyr Sirenko wurde 1960 in der Ukraine geboren. Die internationale Presse vergleicht ihn mit Dirigenten wie Esa-Pekka Salonen und Sir Simon Rattle.

1989 absolvierte er das Konservatorium in Kiew, wo er Dirigieren bei Allin Vlasenko studierte. 1990 war er Finalist beim Internationalen Dirigentenwettbewerb in Prag. Ein Jahr später wurde er zum Chefdirigenten des Ukrainischen Radio Sinfonie Orchesters ernannt und bekleidete diese Position bis 1999. Danach wurde er künstlerischer Leiter und Chefdirigent des gefeierten „National Symphony Orchestra of Ukraine“ (vorher bekannt als Kiew State Symphony Orchestra).

Volodymyr Sirenko wurde 1997 als „Verdienter Künstler der Ukraine“ und 2003 als „Verdienter Künstler der Russischen Förderation“ ausgezeichnet. 2001 erhielt er den „Shevchenko National Price“, die höchste Auszeichnung in der Ukraine.

Volodymyr Sirenko unternahm Konzerttourneen durch Österreich, Bahrain, Belgien, Bulgarien, Tschechische Republik, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Korea, Libanon, Niederlande, Oman, Polen, Russland, Slowakei, Spanien, Vereinigte Arabische Emirate, Großbritannien und USA.

Er arbeitete mit zahlreichen internationalen Orchestern, wie Moscow Philharmonic, St. Petersburg Philharmonic, Sinfonia Warsovia, NOSPR (Kattowitz), Svetlanov Symphony Orchestra, Bratislava Radio Symphony, Jerusalem Symphony Orchestra, National Philharmonic of Russia, Brooklyn Philharmonic und Royal Philharmonic Orchestra.

Volodymyr Sirenko war weltweit in vielen Konzertsälen zu Gast – Concertgebouw Amsterdam, Brucknerhaus Linz, Barbican Hall London, Cadogan Hall London, Théâtre des Champs-Elysées, Komische Oper Paris, Seoul Art Center, Centro Manuel de Falla, Filharmonia Narodowa Warschau, Great Hall of Moscow Conservatory und Great Hall of St. Petersburg Philharmonia.

National Symphony Orchestra of Ukraine

Gegründet im Jahr 1918 vom Ministerrat der Ukraine, gilt das Symphonieorchester der Ukraine als eines der besten Orchester in Osteuropa.

Dirigenten wie Leopold Stokowski, Igor Markevitch, Kurt Sanderling, Evgeny Mravinsky, Kiril Kondrashin, Evgeny Svetlanov und Gennady Rozhdestvensky arbeiteten mit dem Orchester.

Zahlreiche namhafte Solisten konzertierten mit dem NSOU, wie Artur Rubinstein, Yehudi Menuhin, Isaac Stern, David Oistrach, Svatoslav Richter, Mstislav Rostropovich, Emil Gilels, Leonid Kogan, Gidon Kremer, Oleh Krysa, Monserrat Caballe, Jose Carreras und Juan Diego Flores.

Berühmte Komponisten wie z.B. Sergej Prokofieff, Dmitri Schostakowitsch, Aram Khatchaturian u.a. betrauten das NSOU mit der Uraufführung ihrer Werke.
Seit 1993 hat das NSOU mehrere Tonträger herausgebracht. Die meisten dieser Aufnahmen haben international höchste Anerkennung erfahren. 1994 lobte die Australische Rundfunkgesellschaft (ABC) die Aufnahme von Boris Lyatoshynskys Sinfonien Nr. 2 und 3 als „Die beste Einspielung des Jahres“.

Das NSOU unternahm erfolgreiche Konzertreisen durch Australien, Österreich, Bahrain, Belgien, Weissrussland, China, Tschechische Republik, Dänemark, Frankreich, Deutschland, England, Hong Kong, Iran, Italien, Japan, Kasachstan, Libanon, Niederlande, Oman, Polen Portugal, Russland, Slowakei, Spanien, Schweiz und die Vereinigten Arabischen Emirate.

The Sidney Morning Herald lobte die Tugenden des Orchesters:
„… Mit einem Programm reich an Energie und ungewöhnlichen Abenteuern zeigt sich das NSOU in einem höchst günstigen Licht während seines einzigen Konzerts in Sydney auf seiner Tournee durch Australien. Dies ist ein Orchester mit vielen Tugenden. Die Streicher zaubern eine beschwingte Gesanglichkeit, die Holzbläser haben eine fruchtige, durchdringende Reife, und die Blechbläser könnten die Mauern von Jericho gefährden, das Schlagzeug die Toten erwecken….“

National Symphony Orchestra of Ukraine
© M&B Concerts
Olga Scheps
© Uwe Arens