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Orchestre National de Lille

(Nemanja Radulović / Alexandre Bloch)

Wo

Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal, Erlangen

Tag

Uhrzeit

Besetzung

Nemanja Radulović, Violine
Alexandre Bloch, Leitung

Programm

Claude Debussy
„Prélude à l´après-midi d´un faune”

Aram Khachaturian
Konzert für Violine und Orchester d-Moll

Hector Berlioz
Symphonie fantastique op. 14

Nemanja Radulović – der sanfte Wilde auf der Geige.

Bereits vor drei Jahren begeisterte der exzentrische Geiger das Erlanger Publikum. Der serbische Exzentriker mit den langen Rastalocken rockte damals – zusammen mit seinen kongenialen musikalischen Mitstreitern Ksenija Sidorova, Laure Favre Kahn und Andreas Ottensamer – in der Radulović-Show die Erlanger Lades-Halle. Diesmal nun werden Sie den im Gespräch freundlichen, ja sanften Virtuosen konventioneller, aber keinesfalls langweiliger erleben – als Solisten mit dem Orchestre National de Lille. Khatchaturians Violinkonzert ist dem französisch-serbischen Geigerstar mit seinen folkloristischen Reminiszenzen, dem Sentiment im langsamen Satz und der orientalischen Thematik im Finalsatz quasi auf den Leib geschrieben.

Der serbische Geiger Nemanja Radulović, der seine Wahlheimat schon vor vielen Jahren mit seinen Eltern und Geschwistern in Paris gefunden hat, ist seinen Wurzeln treu geblieben: Daher wählte der 37-Jährige für seine 2018 erschienene CD den Namen „Baïka”. Der Titel bedeutet auf Serbisch „Geschichte“. Und das ist es, was Radulović auszeichnet und abgrenzt von anderen Geigerinnen und Geigern seiner Generation: Nemanja wählt ein Repertoire, das viel mit seiner ehemaligen Heimat, mit dem Orient, mit unterschiedlichen Stilen und Spielweisen zu tun hat. Oder wie er selbst sagt: „Wenn ich als Künstler eine Mission habe, dann diese: Ich möchte das, was ich am meisten liebe, mit allen teilen”. So bringt Radulović klangsinnlich und kraftvoll die musikalischen Geschichten zum Klingen und macht seiner Mission dabei alle Ehre.

So ursprünglich, folkloristisch, frei, modern dieser Künstler wirkt, er hat das strenge, klassische Studium, die großen Wettbewerbe, die seit vielen Jahren weltweiten Tournee-Reisen äußerst erfolgreich durchlaufen. Daran führt auch bei größter Musikalität kein Weg im Klassik-Business vorbei. Seine Persönlichkeit und sein Geigenrepertoire zieht neue Zuhörer aller Altersgruppen, verschiedenster Herkunft und Interessenlagen an. Das ist nicht nur äußerlich gemacht mit Gothic-Styling oder Crossover-Konzerten, sondern vieles ist – wie er selbst sagt – vom erlebten Jugoslawienkrieg stark beeinflusst: Musik war immer das Lebenselixier für ihn und seine Familie, in glücklichen Zeiten und in den schwierigen Jahren der Balkankriege: „Meine Mutter war Ärztin. Sie leistete humanitäre Arbeit an der Front, rettete Menschenleben, und so war der Krieg für uns sehr präsent“, erinnert sich Radulović. „Die Musik half uns, ein normales Leben aufrechtzuerhalten, und sie schenkte uns echtes Glück. Damals erkannte ich erstmals die Macht von Musik. Ich habe das nie vergessen.“

Radulović ist überzeugend in seinem Spiel, seiner mühelosen Technik, seinem süffigen und bisweilen exaltierten Geigenton, aber eben auch in seiner Persönlichkeit, in seiner Präsenz mit den Musikerkollegen, den Dirigenten und zum Publikum. Und es gelingt ihm immer, sein künstlerisches Ziel zu vermitteln: „Ich will einfach, dass die Menschen durch meine Musik echte Gefühle empfinden.“

Mit dem Orchestre de National de Lille und seinem Chefdirigenten Alexandre Bloch pflegt der Wahlfranzose Radulović eine intensive musikalische Verbindung. Es trifft sich gewiss gut, dass der musikalische Leiter Alexandre Bloch auch passionierter Opern- und Musiktheaterdirigent ist. Da ergibt sich mit mit den beiden anderen Orchesterwerken, Claude Debussys „Nachmittag eines Fauns“ und Berlioz´ „Symphonie fantastique“, durch die musikalische Intensität, eine lebendige, magisch-märchenhafte Klang- und Bilderwelt bis hin zur Hexenphantasmagorie. Das Erlanger Publikum darf sich auf einen fantasievollen, farbenreichen und klangvollen Konzertabend freuen. Tauchen Sie ab in eine andere Welt!

Text: Sabine Kreimendahl

Nemanja Radulović
© Özge Balkan | DG
Alexandre Bloch
© Jean-Baptiste Millot

Nemanja Radulović

Serbian-French violinist Nemanja Radulović champions the power of music to bring people together with his unique energy and candour, thrilling virtuosity, depth of expression, and adventurous programming. His hotly-anticipated, ‘magical’ (Barry Creasy, musicOMH) BBC Proms debut in 2019 with the Bournemouth Symphony Orchestra and Kirill Karabits featured a Barber Violin Concerto whose ‘lyric delicacy and last-movement super-virtuosity were caught to near perfection’ (The Times).

Winner of the 2015 Echo Klassik Award for Newcomer of the Year, Radulović is an artist who seeks to broaden the boundaries of classical music and has amassed a legion of loyal fans around the world who have enjoyed his performances with many of the world’s leading orchestras, including the Munich Philharmonic, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Staatskapelle Dresden, Royal Liverpool Philharmonic, Tokyo Symphony, Yomiuri Nippon Symphony in Tokyo, Orchestre Symphonique de Montréal, Orquesta Nacional de España, Netherlands Radio Philharmonic, NDR Radiophilharmonie in Hanover, WDR Sinfonieorchester in Cologne, Orchestre Philharmonique de Radio France, Belgian National Orchestra, Orchestre National de Lille, Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI in Turin, Orchestra della Toscana, Tampere Philharmonic, Royal Philharmonic Orchestra, Copenhagen Phil, Geneva Camerata, Queensland Symphony, Macao Orchestra, Malaysian Philharmonic, and the Bilbao Orkestra Sinfonikoa.

Signed as an exclusive recording artist to Warner Classics in 2021, Radulović’s recent and forthcoming highlights include an extensive European tour with the Russian State Academic Symphony and Andrey Boreyko; sold-out performances with his ensemble Double Sens at such celebrated festivals as the Folle Journée de Nantes and the Chorégies d’Orange; debut engagements with the Los Angeles Chamber Orchestra, Gothenburg Symphony, Philharmonia Orchestra, Sydney Symphony, Dusseldorf Symphony, RTE National Symphony in Dublin, and Orchestre Philharmonique de Strasbourg; the season opening of the Jeunesse Musicale series at the Vienna Konzerthaus; a play/direct performance of the Beethoven Violin Concerto with the Munich Chamber Orchestra (resulting in an immediate re- invitation and on-going relationship with the ensemble); and a special collaboration with clarinettist Andreas Ottensamer, accordionist Ksenija Sidorova, and pianist Laure Favre-Kahn, performing to audiences at festivals across Germany, Switzerland and France.

Radulović has an equal passion for the intimacy of chamber music, and is an increasingly active recitalist on the international circuit. He has performed at such notable venues as New York’s Carnegie Hall, the Amsterdam Concertgebouw, Berlin Philharmonie, both the Salle Pleyel and the Théâtre des Champs-Élysées in Paris, the Athens Megaron, Tokyo’s Suntory Hall, Teatro Colón in Buenos Aires, and the Melbourne Recital Centre in Australia. His many recital partners include Marielle Nordmann, Laure Favre-Kahn, and Susan Manoff, the latter with whom he has also recorded a disc of Beethoven Sonatas released on the Decca/Universal Music label.

Radulović also regularly undertakes a play/direct role with his infectious, high-energy ensemble The Devil’s Trills – noted for their ‘immense purity, artistic force, passion, intimacy, and exquisite dynamic choices, leaving the audience in complete astonishment’ (Johannes Seifert, Augsburger Allgemeine) – and his chamber orchestra, Double Sens, which was recently celebrated for their recordings of Bach

and Rimsky-Korsakov, as well as The 5 Seasons, a piece that combines Vivaldi’s Four Seasons with a new composition, Spring in Japan, by Aleksandar Sedlar and dedicated to the Japanese tsunami victims in 2011. Their other recent recordings include Paganini Fantasy (2013), Journey East (2014), BACH (2016), Tchaikovsky (2017), and most recently Baïka (2018).

Radulović’s recognition for his work in classical music includes International Revelation of the Year by the Victoires de la musique classique in 2005, an Honorary Doctorate from the University of Arts in Niš, Serbia, and an ELLE Style Award for Musician of the Year in 2015. He is the winner of several international violin competitions, such as Joseph Joachim in Hanover, George Enescu in Bucharest, and Stradivarius in Cremona.

Born in Serbia in 1985, Nemanja Radulović studied at the Faculty of Arts and Music in Belgrade, the Saarlandes Hochschule für Musik und Theater in Saarbrücken, the Stauffer Academy in Cremona with Salvatore Accardo, and the world-renowned Conservatoire de Paris with Patrice Fontanarosa.

Alexandre Bloch

Von seiner ansteckenden Energie und seinem Enthusiasmus angetrieben, wurde Alexandre Bloch im September 2016 Musikdirektor des Orchestre National de Lille. Von 2015 bis 2020 war er zudem Erster Gastdirigent der Düsseldorfer Symphoniker. Nachdem er im Oktober 2012 den Internationalen Donatella Flick Wettbewerb in London gewonnen hatte, war er bis 2014 Assistenzdirigent beim London Symphony Orchestra. Im Laufe des Monats Oktober 2012 ersetzte er Mariss Jansons beim Royal Concertgebouw Orchestra in Amsterdam für drei brillante Konzerte, die seine Karriere sowohl in Frankreich als auch international starteten. Anschließend kehrte er zum Royal Concertgebouw Orchestra zurück.

2012 wurde ihm das Sir John Zochonis Junior Fellowship in Dirigieren am renommierten Royal Northern College of Music in Manchester verliehen. Alexandre Bloch wird von großen Persönlichkeiten der Dirigentenwelt wie Mariss Jansons, Charles Dutoit, Pierre Boulez, Bernard Haitink, Sir Mark Elder und Esa-Pekka Salonen bemerkt. 2012 und 2013 nahm er am Tanglewood Music Center Festival (USA) teil. Stipendiat der Tarrazi Foundation und der SYLFF Tokyo Foundation (Sasakawa Young Leaders Fellowship Fund). Alexandre Bloch wurde zum „Talent ADAMI Dirigent 2012“ gekürt.

In den letzten Jahren dirigierte er das Orchestre Philharmonique de Radio France, das Oslo Philharmonic, das Orchestre National d’Ile-de-France, das Los Angeles Chamber Orchestra, das Orchestre Métropolitain de Montréal und das Brussel Philharmonic. Außerdem dirigierte er eine Produktion von Donizett i, l’Elisir d’amore an der Deutschen Oper am Rhein und eine Konzertversion von Bizets Die Perlenfischer mit dem Orchestre National de Lille, die bei Pentatone aufgenommen wurde. Er wurde erneut zum Orchestre National de France, zum Scottish Chamber Orchestra, zum Seoul Philharmonic, zur Royal Northern Sinfonia, zum BBC National Orchestra of Wales und zum Vancouver Symphony Orchestra eingeladen. Kürzlich dirigierte er das London Symphony Orchestra auf einer Tournee durch Kuwait. Im Mai 2019 kehrte er an die Opéra de Lyon zurück, um die französische Erstaufführung von George Benjamins Oper Lesson and Violence zu dirigieren. Außerdem dirigierte er eine Originalversion von Carmen während der ONL Sommernächte im Juli 2019.

Auf diskografischer Ebene nahm er mit dem Orchestre de l’Opéra National de Lyon und dem Klarinettisten Paul Meyer Werke von Thierry Escaich für das Sony-Label auf und erhielt zahlreiche Auszeichnungen (Choc Classica, Diapason d’Or). Seine ersten Aufnahmen mit dem Orchestre National de Lille wurden vom Publikum besonders beachtet und von Kritikern gelobt: die erste CD der Cellistin Camille Thomas mit der Deutschen Grammophon und Die Perlenfischer von Bizet mit Pentatone, die von der Musikpresse einstimmig umjubelt wurden (Grammophon Magazine, Le Monde, Télérama, Opéra Magazine, Diapason, Classica, France Musique, Res Musica, Classiquenews usw.).

Erst kürzlich wurde für das Label Alpha seine Chausson CD mit der Sopranistin Véronique Gens national und international begeistert begrüßt, ebenso wie seine CD Ravel/Attahir. Seine 7. Symphonie von Mahler erschien im September 2020 wieder mit den Musikern des Orchestre National de Lille. Von Januar 2019 bis Januar 2020 führten Alexandre Bloch und das Orchestre National de Lille eine vollständige Reihe von Mahlers 9 Symphonien in Lille, in der Region Hauts-de-France und in Paris auf.

Alexandre Bloch wurde 1985 geboren und begann sein Musikstudium in den Fächern Cello, Harmonielehre und Orchesterdirektion an den Konservatorien von Tours, Orléans und Lille. Anschließend studierte er am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse in Paris Komposition und anschließend Orchesterdirektion, wo er seinen Master in der Klasse von Zsolt Nagy machte.

Orchestre National deLille

Das Orchestre National de Lille ist aus dem gemeinsamen Bestreben der Region Nord-Pas de Calais, heute Hauts-de-France, des Staates und Jean-Claude Casadesus entstanden und gab im Januar 1976 sein erstes Konzert.

Seitdem konnte es sich als Referenzorchester etablieren, wobei es sich für publikumsnahe Vortrefflichkeit einsetzt, und hat über 250 Gemeinden in der Region Hauts-de-France musikalisch unterhalten.
Als wahrer Botschafter seiner Region und der französischen Kultur wurde das Orchester zu Auftritten in mehr als 30 Ländern auf vier Kontinenten eingeladen.

Es besteht heute aus 100 Musikern und wird seit September 2016 von der kommunikativen Energie seines Dirigenten und musikalischen Leiters Alexandre Bloch getragen. Das Orchester entwickelt unermüdlich ein ehrgeiziges Projekt rund um symphonische Musik. Das ONL bleibt seiner Mission der Musikverbreitung treu und interpretiert das große Repertoire und die Musik unserer Zeit, indem es Komponisten zu Residenzaufenthalten einlädt. Um sich möglichst vielen Menschen zu öffnen und die Vielfalt seines Publikums zu fördern, bietet das Orchester innovative Formate und vielfältige Aktionen zur Unterstützung der Zuhörer.

Dank des von ihm eingerichteten digitalen Studios entwickelt das ONL eine dynamische audiovisuelle Politik. Die neuesten Veröffentlichungen umfassen mehrere von der Kritik gefeierte Werke. 2018 wurde Bizets Oper Die Perlenfischer von Pentatone veröffentlicht und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Eine Chausson-Aufnahme mit Véronique Gens, ein Album mit Werken von Ravel und Attahir sowie Mahlers Symphonie Nr. 7 sind bei Alpha Classics erschienen. Kürzlich erschien Marie Opperts erstes Werk, Enchantée, bei Warner Classics und Belle Époque bei Pentatone mit der Klarinettistin Annelien van Wauwe. 2020 erschien eine Aufnahme von Yann Robin, der Komponist in der Residenz am ONL war, für das Label La Buissonne und Le Chant de la terre bei Evidence Classics anlässlich des 85. Geburtstags von Jean-Claude Casadesus. 2021 erschien Der Karneval der Tiere bei Alpha Classics, erzählt von Alex Vizorek und dirigiert von Lucie Leguay und eine monografische Aufnahme, die Gabriel Pierné gewidmet ist, bei Naxos.

Radulovic
© Charlotte Abramow | DG
Orchestre National de Lille
© Ugo Ponte ONL