Felix Klieser
© MJ Kim
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Felix Klieser

(Prager Symphoniker / Tomáš Brauner)

Wo

Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal, Erlangen

Tag

Uhrzeit

Besetzung

Prager Symphoniker 
Felix Klieser, Horn
Tomáš Brauner,
Leitung

Programm

Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zu „Coriolan“ c-Moll op. 62

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Horn und Orchester Nr. 4 Es-Dur KV 495

Richard Strauss
Konzert für Horn und Orchester Nr. 1
Es-Dur op. 11

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36

Felix Klieser – kein „Trotzdem-Musiker“

Gute Musiker brauchen Begabung, Ehrgeiz, Fleiß, Zielstrebigkeit, Optimismus, ja, und ein Quantum Glück. Von alledem braucht es noch mal eine gehörige Portion dazu, wenn man ein Handicap hat wie der 33-jährige Hornist Felix Klieser: Der überaus erfolgreiche Solist wurde ohne Arme geboren und hat sich dennoch systematisch eine Karriere aufgebaut. Diese ist in ihrem ganzen Verlauf ebenso erstaunlich wie die sportlichen Höchstleistungen von Paralympics.

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© Gregor Hohenberg

Kliesers Elternhaus spielte auf seinem Weg eine entscheidende Rolle: Die Mutter redete ihrem Sohn nie ein, dass er etwas nicht könne. Also meldete sie ihn – auf seinen Wunsch hin – zu einem Termin in der Musikschule an. Gerade mal fünf Jahre alt war er da. Das Horn wurde fortan seine Welt. Er biss sich rein, wollte das Instrument richtig gut beherrschen. Dafür setzte er Prioritäten: Die Schule war eher nicht so wichtig. Andere Freizeitaktivitäten, Partys, Freunde gab es wenig in dieser Kindheit und Jugend. Zitrusfrüchte und Alkohol sind tabu für Klieser. Die Muskulatur des Oberkörpers muss regelmäßig trainiert werden, um den instrumentalen Hochleistungssport dauerhaft zu bewältigen.

Er lernte, die Ventile mit den Zehen des linken Fußes zu bedienen. Dabei ist das Instrument auf einem speziellen, von einem Instrumentenbauer für ihn entwickelten Metallständer stabil befestigt. Klieser ist damit in der Lage, allen in der Hornliteratur bekannten Anforderungen bezüglich Geläufigkeit zu genügen. Ebenso erarbeitete er sich eine spezifische Ansatztechnik, die ihm den typischen weichen und dunklen Klang des Horns auch ohne Hand im Schalltrichter ermöglicht. Zum Stopfen (so heißt diese Technik) nutzt er zusätzlich einen ebenfalls für ihn entwickelten mechanischen Apparat, den er mit dem rechten Fuß bedient. Überhaupt macht er Dinge, bei denen andere die Arme nutzen, mit den Füßen: Klieser isst mit den Füßen, schreibt mit den Füßen, schneidet – als begeisterter Koch – Gemüse mit ihnen, putzt sich die Zähne und fährt sogar Auto.

Selbstmitleid wegen seines Handicaps lehnt er ab. Genauso wenig will er einen Mitleidsbonus von außen. In einem Interview sagt er: „Ich hätte natürlich auch meine Energie darauf verwenden können, mich selbst zu bemitleiden und der Welt zu erzählen, wie gemein alles ist. Aber jeder, der das einmal getan hat, wird sehr schnell merken, dass es zu keinem verbesserten Ergebnis führt.“

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© Maike Helbig

Felix Klieser gewann zahlreiche Bundeswettbewerbe bei „Jugend musiziert“, war Mitglied des Bundesjugendorchesters. Im Alter von 13 Jahren wurde der Göttinger Jungstudent an der Musikhochschule Hannover, ein reguläres Studium folgte. 2014 wurde er mit dem ECHO KLASSIK ausgezeichnet. 2016 erhielt er den Leonard Bernstein Award.

Inzwischen hat er mit vielen renommierten Orchestern und Solisten musiziert. Vier CDs sind eingespielt. Mozarts Hornkonzerte sind ein Muss für jeden Hornisten. Mit den Prager Symphonikern und Tomás Brauner hat Klieser bereits mehrfach konzertiert. Die Prager Symphoniker sind neben dem Radio-Symphonieorchester Prag und der PKF – Prague Philharmonia nun der dritte Klangkörper aus der „Goldenen Stadt“.

Das Programm mit Mozarts viertem Hornkonzert und Richard Strauss‘ bravourösem ersten Hornkonzert sind die solistischen Höhepunkte dieses Abends. Beethovens dramatische Coriolan-Ouvertüre und die klassisch gebundene zweite Sinfonie mit eklatanter Beethoven-Fülle im Scherzo und Finale versprechen in vielfacher Hinsicht ein fulminantes Konzert.

Text: Johanna Wilhelmi