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Schumann Quartett

Wo

Palais Stutterheim, Innenhof, Erlangen

Tag

Uhrzeit

Besetzung

Erik Schumann, Violine
Ken Schumann, Violine
Veit Hertenstein, Viola
Mark Schumann, Violoncello

Programm

Joseph Haydn
Streichquartett C-Dur op. 33/3, „Vogelquartett“

Helena Winkelman
Streichquartett „Papa Haydns Parrot (Papa Haydns Papagei), Hommage à Joseph Haydn für Streichquartett“

Arvo Pärt
„Psalom“ für Streichquartett

Aribert Reimann
„Adagio – in Gedenken an Robert Schumann“

Robert Schumann
Streichquartett A-Dur op. 41/3

Schumann Quartett
© Harald Hoffmann
Schumann Quartett
© Harald Hoffmann

Spiegelbilder.

Streichquartette in Geschichte und Gegenwart

Es trägt einen großen Namen: das Schumann Quartett. Allerdings nennt es sich nicht nach der Galionsfigur der deutschen Romantik Robert Schumann, sondern nach den Schumann-Brüdern – drei jungen Männern, die alle in den 1980er-Jahren im Rheinland geboren wurden: die Geiger Erik und Ken sowie der Cellist Mark Schumann. 2007 taten sie sich in Köln mit der japanischen Bratschistin Ayako Goto zum Streichquartett zusammen. 2013 gewann das Quartett den 1. Preis beim prestigeträchtigen Internationalen Streichquartett-Wettbewerb in Bordeaux. 2016 wurde ihm als Best Newcomer der Londoner BBC Music Magazine Award verliehen. 2018 war es Artiste Étoile beim Mozartfest Würzburg. Heute gehört es längst zur Hautevolee der internationalen Streichquartettkultur.

Im Rahmen unserer Konzertreihe unerHÖRT! gastiert das Schumann Quartett mit einem originellen Programm, das aufeinander bezogene Streichquartette und Komponisten aus Geschichte und Gegenwart gegenüberstellt: tönende Bilder und Abbilder, Musik über Musik. So hat die schweizerisch-niederländische Komponistin und Geigerin Helena Winkelman das sogenannte „Vogelquartett“ aus Haydns epochemachendem Opus 33 unter dem Titel „Papa Haydn‘s Parrot“ (Papa Haydns Papagei) in acht Miniaturen paraphrasiert, darunter die witzige, jazzbeeinflusste Schlussnummer „Haydn on the Rocks“.

Die zweite Paarung bringt Robert Schumann und Aribert Reimann zusammen. Der profilierte Opernkomponist und Liedbegleiter Reimann ist ein Nachfahre jenes Arztes, der Schumann in seinen letzten Lebensjahren in der Nervenheilanstalt Bonn-Endenich behandelte. 2006 – im Jahr seines eigenen 70. Geburtstages und des 150. Todestages von Schumann – veröffentlichte er dessen Krankenakte im Rahmen seines Buches „Robert Schumann in Endenich“ und komponierte flankierend dazu den Quartettsatz „Adagio – in Gedenken an Robert Schumann“, basierend auf zwei Choralmelodien, die Schumann in Endenich harmonisierte. Das Schumann Quartett konfrontiert Reimanns Adagio mit dem letzten der drei Streichquartette op. 41 seines Namensvetters.

Text: Klaus Meyer

Schumann Quartett
© Harald Hoffmann
Schumann Quartett
© Harald Hoffmann

Schumann Quartett

Das Schumann Quartett ist dort angekommen, wo alles möglich ist, weil man auf Sicherheiten verzichtet. Das schließt auch das Publikum mit ein, das sich Abend für Abend auf alles gefasst machen muss: „So wirklich entwickelt sich ein Werk nur live“, sagen sie, „das ist ‚the real thing’, weil wir vorher selbst nie wissen, was passiert. Spätestens auf der Bühne fällt jede Imitation weg, man wird automatisch ehrlich zu sich selbst. Dann kann man in der Musik eine Verbindung mit dem Publikum herstellen, kommunizieren.“ Die Live-Situation wird in naher Zukunft noch weiter aufgeladen: Albrecht Mayer, Menahem Pressler, Kit Armstrong, Anna Vinnitskaya und Anna Lucia Richter zählen zu den aktuellen Partnern der Vier.

Ein besonderes Highlight der Saison 21/22 stellen die vier Konzerte in der Wigmore Hall in London dar, in der das Quartett diese Saison Quartet in Residence ist. Des Weiteren wird das Quartett nach einer Zwangspause wieder in den USA auf Tour gehen. Zu Gast sein wird es bei der Streichquartett Biennale Amsterdam, dem Schleswig Holstein Musik Festival und dem MDR Musiksommer, sowie in Berlin, Schwetzingen, Frankfurt, Köln und Dortmund. Außerdem wird das Quartett zusammen mit der Mezzosopranistin Anna-Lucia Richter zwei besondere Programme in Madrid und Bilbao darbieten können.

Ihr Album „Intermezzo“ (2018 | Mendelssohn Bartholdy, Schumann und Reimann mit Anna-Lucia Richter) erfreut sich national und international bester Resonanz, und erhielt den Opus Klassik in der Kategorie Kammermusikeinspielung 2019. Somit wird es als würdiger Nachfolger ihres preisgekrönten „Landscapes“ Albums gefeiert, in dem sie den eigenen Wurzeln nachspürten und Werke von Haydn, Bartók, Takemitsu und Pärt kombinierten. Letzteres wurde unter anderem mit 5 Diapasons sowie dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik 2017 ausgezeichnet und war Editor’s choice beim BBC Music Magazine. Für ihr vorhergehendes Album mit Werken von Mozart, Ives und Verdi wurde dem Schumann Quartett bereits als BEST NEWCOMER 2016 der BBC Music Magazine Award in London verliehen. Im Jahr 2020 hat das Quartett seine Diskographie mit „Fragment“ und seiner Auseinandersetzung mit einem der Meister des Streichquartetts erweitert: Franz Schubert.

Seit ihrer frühesten Kindheit spielen die drei Brüder Mark, Erik und Ken Schumann zusammen – mittlerweile vervollständigt Veit Hertenstein als Bratschist das Quartett. Die Vier genießen die nonverbale Kommunikation. Unterschiedliche Persönlichkeiten treten deutlicher hervor, gleichzeitig entsteht in jedem musikalischen Werk ein gemeinsamer Raum, findet eine geistige Metamorphose statt. Vielleicht sind diese Offenheit und Neugierde die entscheidenden Einflüsse von Lehrern wie Eberhard Feltz, dem Alban Berg Quartett oder Partnern wie Menahem Pressler.

Auszeichnungen, Veröffentlichungen – gerne werden Stufen konstruiert um herzuleiten, warum viele das Schumann Quartett heute zu den besten überhaupt zählen. Die Vier fassen solche Daten eher als Begegnungen auf, als Bestätigung für ihren Weg. Sie empfinden die musikalische Entwicklung der letzten zwei Jahre als Quantensprung. „Wir haben Lust darauf, es bis zum Äußersten zu treiben, zu probieren, wie die Spannung und unsere gemeinsame Spontaneität trägt“, sagt Ken Schumann. Versuche, ihnen einen Klang, eine Position, eine Spielweise zuzuordnen, hebeln sie charmant aus, lassen allein die Konzerte für sich sprechen. Und Kritiker geben ihnen recht: „Feuer und Energie. Das Schumann Quartett spielt umwerfend gut […] zweifellos eine der allerbesten Formationen der jetzigen Quartettblüte, […] blitzende Virtuosität und Überraschungsbereitschaft“ (Harald Eggebrecht in der SZ).

Zitate aus einem Gespräch mit den Redakteuren des Online-Klassikmagazins VAN (van-magazin.de).

Schumann Quartett
© Harald Hoffmann
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Dieses Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk – BR Franken mitgeschnitten und zu einem späteren Zeitpunkt auf BR-KLASSIK gesendet