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Wiener Symphoniker

(Yulianna Avdeeva / Omer Meir Wellber)

Wo

Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal, Erlangen

Tag

Uhrzeit

Besetzung

Yulianna Avdeeva, Klavier
Omer Meir Wellber, Leitung

Programm

Péter Eötvös
Dialog mit Mozart – Da Capo für Orchester

Ludwig van Beethoven
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-Moll op. 37

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

Yulianna Avdeeva
Omer Meir Wellber

Zwei Klassiker – Beethoven und Mozart – in ganz ungewöhnlicher Kombination bieten die Wiener Symphoniker unter Leitung von Omer Meir Wellber mit der Pianistin Yulianna Avdeeva. Hier zwei mächtige c-Moll-Werke, die berühmte Schicksalssinfonie op. 67 und das nicht minder geschätzte und beliebte dritte Klavierkonzert op. 37, dort die raffinierte, launige Mozart-Überschreibung von Péter Eötvös.

Yulianna Avdeeva war 2010 nicht nur die Gewinnerin des Chopin-Wettbewerbs, womit es endlich, nach Martha Argerich im Jahr 1968, wieder eine Frau auf dem Siegertreppchen gab. Sie ist auch eine ebenso feine Bach-Interpretin (mit englischen und französischen Suiten auf CD) wie elegante Beethoven-Spielerin, etwa auf YouTube mit dem fünften Klavierkonzert zu erleben! Das c-Moll-Konzert ist nicht minder aufregend und schlägt 1803 ganz neue Töne in Beethovens Schaffen an: herrische, dramatische, in der Konzeption kühne. Und doch ist der langsame Satz ein Mirakel, das Finale vor Energie geradezu berstend. Ähnlich die fünfte Sinfonie, entstanden in den fünf Jahren danach – von 1804 bis 1808. Sie ist Beethovens konzentrierte und nicht zuletzt wegen des den ersten Satz prägenden Klopfmotivs neben der Neunten seine bekannteste und berühmteste! Der unmittelbare Übergang vom Scherzo ins Finale, bei dem sich die lauernd hinausgezögerte Spannung in eine Ekstase sondergleichen entlädt, kennt in der Sinfonik des frühen 19. Jahrhunderts nichts Vergleichbares, samt einer Stretta mit, je nach Zählung, mindestens 15 Schlussakkorden!
Der israelische Dirigent Omer Meir Wellber ist derzeit erster Gastdirigent der Semperoper Dresden, Chefdirigent des BBC Symphony Orchestra in London und auch noch musikalischer Direktor des Teatro Massimo in Palermo. Doch ab Herbst wird er vor allem als neuer Musikdirektor der Wiener Volksoper wirken. Gleichsam als Vorgeschmack darauf ist er mit den Wiener Symphonikern in Erlangen zu Gast. Sogenannte Wohnzimmerkonzerte im Netz mit diesem Orchester haben uns die Corona-Pandemie versüßt, etwa dank Astor Piazzolas „Libertango“, wo Meir Wellber selbst inmitten der Musiker fulminant das Akkordeon spielt! Obgleich immer im Schatten der großen Schwester, also der Philharmoniker, die zugleich das Orchester der Wiener Staatsoper sind, brauchen sich die Wiener Symphoniker keineswegs zu verstecken, hatten sie doch etwa mit Wolfgang Sawallisch (1960-1970), Fabio Luisi (2005-2013) und Philippe Jordan (2014-2020) illustre, sie prägende Chefdirigenten.
Neben den beiden in Wien komponierten Beethoven-Werken ist auch Da Capo von Peter Eötvös ein Stück, das sich auf die K.-u.-k.-Monarchie – und Mozart – bezieht. 2012 komponierte er ein Werk für Cimbalom (oder Marimba) Solo und 16 Spieler, bei dem das Hackbrett ein Verfremdungseffekt ist, inspiriert vom ungarischen Zymbal-Spieler Miklós Lukács. Im Winter 2013/14 bearbeitete der ungarische Komponist es unter dem Titel „Dialog mit Mozart“ sinfonisch im Auftrag des Salzburger Mozarteums zu dessen 175. Bestehen – unter recht genauer Beibehaltung der kompositorischen Substanz. Das ursprüngliche Stück geht auf neun Fragmente Mozarts aus dessen Skizzenbüchern zurück, die jedoch von Anfang an so verfremdet sind, dass die überaus konzertante Partitur zwar oft sehr tonal klingt, aber doch eher neoklassizistisch angehaucht ist.
Beim Begriff Da Capo darf man hier nicht nur an die generelle Anweisung in den Noten denken, ab einer bestimmten Stelle etwas identisch zu wiederholen, sondern an die barocke Da-Capo-Arie und die oft so kreativen und schönen Verzierungen, mit denen ein Interpret in der Wiederholung des ersten Teils die Musik sich erst so richtig entfalten kann. Bei Eötvös erfolgt eine permanente Transformation, in der immer wieder einige Instrumente der Besetzung Flöte, Oboe, Englischhorn, Klarinette, Bassklarinette, Fagott, Horn, Trompete, Posaune, Tuba, Percussion, zwei Violinen, Bratsche, Cello, Kontrabass solistisch hervortreten. Vor allem in der Orchesterfassung klingt das, als wär’s ein barockes Concerto grosso.

Text: Klaus Kalchschmid

Omer Meir Wellber
© Luca Pezzani
Yulianna Avdeeva
© Christine Schneider

Yulianna Avdeeva

Von der Financial Times als Künstlerin beschrieben, die „die Musik atmen lässt“, steht Yulianna Avdeeva, für die 2010 mit dem Gewinn des prestigeträchtigen Internationalen Chopin-Wettbewerbs das Jahr des internationalen Durchbruchs zu ihrer heutigen Weltklasse-Karriere wurde, immer ganz im Dienst der Musik. Mit vorzüglicher Kombination aus Klarheit, Energie und Eleganz gewinnt sie das Publikum durch überzeugende Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Witz und feines musikalisches Urteilsvermögen.

Dank ihrer außerordentlichen künstlerischen Präsenz und großen Musikalität behauptet Yulianna Avdeeva einen souveränen Spitzenplatz in der Musikszene ihrer Generation. Mit ihrem diesjährigen Los Angeles Philharmonic Debüt beginnt Avdeeva eine lebhafte Saison 2019/20 mit Orchesterdebüts beim Orchestre Philharmonique de Radio France unter der Leitung von Santtu-Matias Rouvali, Baltimore Symphony Orchestra und Marin Alsop, sowie einer Wiedereinladung des Pittsburgh Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Mark Elder. Weitere Höhepunkte der Saison sind Orchestereinladungen des SWR Symphonieorchesters, des Gürzenich-Orchesters Köln, der Dresdner Philharmonie, sowie des Sinfonieorchester Basel. In ihrer Heimat Russland debütiert Avdeeva an der Zaryadye Concert Hall, nachdem sie kürzlich im Rezital an der Sankt Petersburger Philharmonie zu erleben war.

Als gern gesehener Gast im asiatischen Raum macht Yulianna Avdeeva diese Saison ihr Debüt mit dem BBC Scottish Symphony, das sie anschließend als Solistin bei der ersten Ausgabe des Festivals BBC Proms in Japan unter der Leitung von Thomas Dausgaard begleitet. Zuletzt debütierte Avdeeva mit den Sydney and Melbourne Sinfonieorchestern und war mit New Japan Philharmonic, NHK Symphony Orchestra, sowie mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und den Bamberger Symphonikern auf Japan-Tournee zu erleben. Weitere Einladungen führten sie zu den Salzburger Festspielen und zum Lucerne Festival, zur Alten Oper Frankfurt und Elbphilharmonie Hamburg, zum Boulez Saal, auf Europa-Tournee mit der Academy of St Martin in the Fields, zum Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und Royal Stockholm Philharmonic, zum Finnischen Radio-Sinfonieorchester, London Philharmonic Orchestra und City of Birmingham Symphony Orchestra, Tchaikovsky Symphony Orchestra des Moskauer Rundfunks, Orchestre symphonique de Montréal, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, sowie zum Orchestre National de Lyon.

Yulianna Avdeevas ausdrucksstarke Darbietungen der Werke von Chopin erfahren einstimmige Anerkennung und bestätigen ihre hervorragende Stellung als eine der gefragtesten Interpretinnen der Musik Chopins. Sie pflegt eine intensive Zusammenarbeit mit dem Fryderyk Chopin Institut sowie mit dem Warschaw Philharmonic Orchestra und dem Nationalen Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks. Ihre dritte Soloeinspielung für das Label Mirare erschien in 2017. Mit dem Orchestra of the Eighteenth Century unter der Leitung von Frans Brüggen spielte sie beide Chopin-Klavierkonzerte ein und trug zu der Sammlung von Aufnahmen der herausragendsten Gewinner des Chopin-Wettbewerbs zwischen 1927 und 2010 bei der Deutschen Grammophon bei.

Neben ihrer solistischen Arbeit ist Yulianna Avdeeva engagierte Kammermusikerin und arbeitete mit dem Philharmonia-Quartett der Berliner Philharmoniker zusammen. Regelmäßige Europa-Tourneen mit Julia Fischer und Gidon Kremer führen sie unter anderem zum Festspielhaus Baden-Baden, in die Tonhalle Zürich, sowie zum Prinzregententheater München. Bedeutende Solo-Klavierabende fanden im Rahmen der International Piano Series in London und in der Wigmore Hall, am Internationalen Haus der Musik in Moskau, beim Rheingau Musik Festival, im Palau de la Música Catalana Barcelona, an der Liederhalle Stuttgart und Philharmonie Essen statt.
Im Alter von fünf Jahren begann Yulianna Avdeeva ihr Klavierstudium an der Gnessin Hochbegabten-Musikschule in Moskau bei Elena Ivanova und komplementierte ihre Studien später bei Vladimir Tropp und Konstantin Scherbakov. An der renommierten International Piano Academy Lake Como erhielt sie wertvolle musikalische Impulse von Bashkirov, Naboré und Fou Ts’ong. Yulianna Avdeeva ist Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe, darunter der Bremer Klavierwettbewerb, Concours de Genève, sowie der Wettbewerb Arthur Rubinstein in Memoriam.

Omer Meir Wellber

Omer Meir Wellber gehört zu den führenden Dirigenten für Opern- und Orchesterrepertoire. Zurzeit teilt er seine Zeit zwischen seinen Positionen als Chefdirigent des BBC Philharmonic, Music Director des Teatro Massimo Palermo, Erster Gastdirigent der Semperoper Dresden sowie Music Director des Raanana Symphonette in Israel. Ab September 2022 ist Wellber gemeinsam mit Direktorin Lotte de Beer Musikdirektor an der Volksoper Wien und leitet damit eine neue Ära des Hauses ein. Er arbeitet zusammen mit zahlreichen erstklassigen Ensembles weltweit, so etwa mit dem London Philharmonic Orchestra, dem Gewandhausorchester zu Leipzig, dem NDR Elbphilharmonie Orchester, dem Swedish Radio Symphony Orchestra, dem City of Birmingham Symphony Orchestra, der Staatskapelle Dresden, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem Israel Philharmonic Orchestra, dem SWR Symphonieorchester, dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin sowie dem Tonhalle-Orchester Zürich und pflegt eine enge Verbindung zu Ensembles in seiner Heimat Israel. Omer Meir Wellber ist zudem publizierter Autor in mehreren Sprachen.

Als Music Director des Teatro Massimo in Palermo begann die Saison 2021/22 mit Bizets Carmen in einer Inszenierung von Calixto Bieito bei der Wiedereröffnung für Publikum nach der Pandemie und einem Konzert mit dem Orchester des Teatro Massimo für Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 und das Vorspiel und den Liebestod von „Tristan und Isolde“ sowie Bernsteins „Jeremiah“ Symphonie. Im Januar 2021 wird Omer Meir Wellber Verdis Les Vêpres siciliennes in einer Inszenierung von Emma Dante am Teatro Massimo dirigieren (gestreamt auf ARTE Concert). Für seine innovative Arbeit am Teatro Massimo, darunter die Produktion Crepuscolo dei sogni im Januar 2021, erhielt er 2021 den Sonderpreis der renommierten italienischen Associazione Nazionale Critici Musicali (Nationaler Verband der Musikkritiker).

Zum BBC Philharmonic nach Manchester wird er u.a. im Oktober und November 2021 mit Liszts Les Préludes, dem Klavierkonzert Nr. 4 von Saint- Saëns mit Artist-in-Residence Stephen Hough und Ben-Haims Symphonie Nr.2 sowie Marco Bettas Konzert für Fagott Citta Azura, Tipetts Fantasia concertante und Kammermusik mit Mitgliedern des Orchesters zurückkehren. Nachdem sich die von ihm konzipierte BBC-Video-Gesprächsreihe The Music Room im Jahr 2020 auf Beethovens 9 Symphonien konzentriert hat, wurde die Serie mit The Music Room: Discovering Ben-Haim fortgesetzt. Im November 2020 erschien die erste gemeinsame Aufnahme von Wellber und dem BBC Philharmonic mit Werken von Ben-Haim (Chandos).

An der Semperoper Dresden wird Omer Meir Wellber im März und April 2022 Wiederaufnahmen von Don Giovanni, Cosi fan tutte und Le Nozze di Figaro und eine Neuproduktion von Madama Butterfly leiten sowie für ein Konzert mit Schostakowitschs Symphonien Nr. 1 und Nr. 9 und Gubaidulinas Offertorium am Pult der Staatskapelle stehen.

Gastspiele führen Omer Meir Wellber bis Ende diesem Jahres für Konzerte und Opernvorstellungen an die Wiener Staatsoper mit Cilieas Adriana Lecouvreur und Bizets Carmen, in das Konzerthaus Wien mit den Wiener Symphonikern, mit dem Orchestre National de France in Paris sowie mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester in Hamburg und Lübeck.

Im August 2021 gab Wellber mit Werken von Ives und Bruckner sowie dem Konzert für Oboe und Orchester von Strauss mit Ramón Ortega Quero (Oboe) und den Wiener Symphonikern sein Debüt bei den Bregenzer Festspielen. Mit der Uraufführung eines Werkes von Ayal Adler debütierte er im November 2019 bei den Münchner Philharmonikern und im Juli 2019 mit Werken von Mozart, Haydn und Ben-Haim bei den BBC Proms mit dem BBC Philharmonic sowie im Oktober 2018 an der Metropolitan Opera in New York mit Vorstellungen von Bizets Carmen. Im Sommer 2018 leitete er beim Glyndebourne Festival, wo er 2014 mit dem London Philharmonic Orchestra in der Produktion von Eugen Onegin debütierte, die Festival-Premiere von Puccinis Madama Butterfly (BlueRay Opus Arte, 2019). Im März 2017 leitete er die Premiere von Giordanos Andrea Chenier an der Bayerischen Staatsoper, wo er schon 2015 die Neuproduktion von Mefistofele dirigierte (DVD Unitel, 2016) und im November 2016 dirigierte er die Sächsische Staatskapelle Dresden bei der Uraufführung von Sofia Gubaidulinas Oratorium Über Liebe und Hass.

Von 2010 bis 2014 war Omer Meir Wellber Music Director am Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia. Während der Intendanz von Luc Bondy wurde er von den Wiener Festwochen im Rahmen eines dreijährigen Projekts mit der Leitung von Verdis trilogia popolare betraut: Rigoletto (2011), La Traviata (2012) und Il Trovatore (2013). 2011 debütierte er an der Bayerischen Staatsoper mit La Traviata und im Jahr 2010 begann seine Zusammenarbeit mit der Semperoper Dresden, wo er seitdem u.a. Strauss’ Daphne, Ariadne auf Naxos und eine konzertante Aufführung von Guntram sowie Verdis Nabucco und Ligetis Le Grand Macabre dirigierte. Sein hochgelobtes Dirigat von Aida in der Arena di Verona (2013) erschien bei BelAir classique auf DVD.

Zwischen 2008 und 2010 assistierte Omer Meir Wellber Daniel Barenboim an der Berliner Staatsoper Unter den Linden sowie an der Mailänder Scala. Er dirigierte mit großem Erfolg bei Publikum und Presse Verdis Aida beim Gastspiel der Scala an der Israeli Opera. 2010 dirigierte er Strauss’ Salome als Einspringer für Seiji Ozawa beim Saito Kinen Festival in Matsumoto.

Omer Meir Wellber hat im Herbst 2019 seinen ersten Roman “Die vier Ohnmachten des Chaim Birkner” im BerlinVerlag veröffentlicht. Er ist das literarische Debüt des Dirigenten. Das Buch erzählt die Geschichte von Chaim Birkner, einem müden und zerstörten Mann, der von seiner Tochter gezwungen wird, dem Leben ein letztes Mal kurz in die Augen zu blicken. Im Januar 2021 erschien der Roman auf Italienisch (Sellerio Editore) und wird auch auf Französisch (Éditions du sous-sol) erscheinen.

Im Frühjahr 2017 wurde „Die Angst, das Risiko und die Liebe – Momente mit Mozart“ veröffentlicht. Gemeinsam mit der Publizistin Inge Kloepfer verfasst, präsentiert er in diesem seinen persönlichen Zugang zu den universellen Emotionen, die in den drei Mozart/Da Ponte-Opern Così fan tutte, Le nozze di Figaro und Don Giovanni behandelt werden.

Die enge Verbindung zu seiner Heimat Israel zeigt sich u.a. in der Zusammenarbeit mit dem Raanana Symphonette Orchester, dessen Music Director er seit 2009 ist. Das Orchester setzt sich besonders für Musikvermittlung und -erziehung ein und erreicht jährlich mehr als 70.000 Kinder. Zwischen 2005 und 2008 war er regelmäßiger Gastdirigent an der Israeli Opera in Tel Aviv, wo er Aufführungen von Verdis La Forza del Destino, Puccinis Turandot und Madama Butterfly, Donizettis L’Elisir d’Amore, Mozarts Die Zauberflöte, Gounods Faust und Janaceks Schlaues Füchslein leitete. 2007 debütierte er beim Israel Philharmonic Orchestra und leitete 2016 dessen Residency bei den Dresdner Musikfestspielen.

Omer Meir Wellber ist zudem Botschafter der Non-Profit-Organisation Save a Child’s Heart, einer in Israel ansässigen Organisation, die sich um die Behandlung herzkranker Kinder aus Entwicklungsländern sowie um die Ausbildung von Ärzten vor Ort kümmert. Außerdem arbeitet er regelmäßig mit verschiedenen Institutionen in Outreach-Programmen zusammen und fördert die nächste Dirigenten-Generation durch Workshops, Kurse und Besuche an Hochschulen.

1981 in Be’er Sheva geboren, begann Omer Meir Wellber seine musikalische Ausbildung im Alter von fünf Jahren mit Akkordeon und Klavier. Er erhielt ab seinem zehnten Lebensjahr Kompositionsunterricht bei Tania Taler. Anschließend wurde Michael Wolpe bis 2004 sein Lehrer. 1999 machte er am Be’er Sheva Konservatorium seinen Abschluss. Anschließend studierte Omer Meir Wellber Dirigieren und Komposition mit einem Stipendium der American-Israel Cultural Foundation von 2000 bis 2008 an der Jerusalem Music Academy bei Eugene Zirlin und Mendi Rodan.

Omer Meir Wellber spielt ein eigens für ihn gebautes Akkordeon, Modell POLARIS, des renommierten italienischen Akkordeon Herstellers PIGINI.

Wiener Symphoniker

Mit ihrer traditionsreichen Geschichte, dem Mut zur eigenen Haltung und einer anhaltenden Freude am Entdecken sind die Wiener Symphoniker das schlagende Herz der Klassikmetropole Wien. Seit mehr als 120 Jahren prägt und gestaltet das Orchester die einzigartige Klangkultur seiner Heimatstadt und schafft es dabei wie kaum ein anderes, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verknüpfen.

Dass die Geburtsstunde der Wiener Symphoniker ausgerechnet auf das Jahr 1900 fiel, kommt nicht von ungefähr: Der frische Wind der Wiener Moderne umwehte diesen neuen Klangkörper, der den Herausforderungen des Lebens im 20. Jahrhundert selbstbewusst und visionär entgegentrat. Dazu gehörte zunächst ein souveräner Umgang mit der eigenen Vergangenheit – so waren die Wiener Symphoniker das erste Orchester in der österreichischen Hauptstadt, das alle Symphonien Beethovens in einem Zyklus präsentierte. Das humanistisch ausgerichtete und zukunftsweisende Vermächtnis Beethovens und der Wiener Romantik im Allgemeinen war und ist den Symphonikern wie auf den Leib geschrieben und so gelten sie auch in der heutigen Zeit als tonangebend für dieses Repertoire.

Der Pioniergeist der Wiener Symphoniker offenbart sich jedoch auch darin, dass sie binnen kürzester Zeit zu einem der wichtigsten Uraufführungs-Orchester Europas wurden. Meilensteine der Musikgeschichte wie Anton Bruckners Neunte Symphonie , Arnold Schönbergs Gurre-Lieder , Maurice Ravels Konzert für die linke Hand und Franz Schmidts Das Buch mit sieben Siegeln wurden von den Symphonikern erstmals aufgeführt: Konzerte, die den Weg für vollkommen neue Klangwelten ebneten und diese der breiten Masse zugänglich machten. Bis heute legen die Wiener Symphoniker großen Wert auf Zusammenarbeiten mit zeitgenössischen Komponist:innen wie Olga Neuwirth, Wolfgang Rihm, HK Gruber, Thomas Larcher, Johannes Maria Staud, Michael Jarrell, Guillaume Connesson, Dieter Ammann oder Jörg Widman und gehören zu den wichtigen Antriebskräften der Musik der Gegenwart, in Wien und international. Auch unter den Chefdirigenten der vergangenen 120 Jahre – zu ihnen zählen Wilhelm Furtwängler, Hans Swarowsky, Herbert von Karajan, Wolfgang Sawallisch und Georges Prêtre – finden sich zahlreiche Visionäre, die die Zukunft der globalen Klassikszene nachhaltig prägten.

Bei allem Fortschrittswillen zeichnen sich die Wiener Symphoniker seit jeher auch durch ihre außerordentliche Bodenhaftung und Nähe zum Publikum aus. Mit den sogenannten
„volksthümlichen Concerten“ im Wiener Volksgarten und den legendären Arbeiter- Symphoniekonzerten sorgten sie von Beginn an dafür, dass klassische Musik nicht länger einer schmalen Elite vorenthalten blieb. Heute konzertiert das Orchester im Rahmen der

Grätzl-Konzerte an ungewöhnlichen Orten in allen Wiener Gemeindebezirken und füllt so noch immer jeden Winkel der Metropole mit musikalischem Leben. Seit 2013 gestalten die Wiener Symphoniker außerdem am Tag der Befreiung das „Fest der Freude“ am Wiener Heldenplatz, und seit 2017 sind sie bei der Sommer-Eröffnung im MuseumsQuartier live zu erleben. Unter freiem Himmel, mitten in der pulsierenden Stadt und niederschwellig zugänglich für alle Wiener:innen – So präsentieren sich die Wiener Symphoniker bei ihren längst zum Fixpunkt im Jahreszyklus gewordenen Open-Air-Konzerten in der Stadt.

Den unverwechselbaren Klang ihrer Heimat bringen die Wiener Symphoniker als offizielle Kulturbotschafter Wiens auch gern außerhalb der eigenen Stadtmauern zur Geltung, und so sind sie seit langer Zeit gern gesehene Gäste in den großen internationalen Konzertsälen. Ebenso häufig hält die Welt Einzug in der österreichischen Hauptstadt – ein Umstand, der sich unter anderem an der illustren Liste vergangener Gastdirigenten ablesen lässt, zu denen immer wieder auch Lorin Maazel, Zubin Mehta, Claudio Abbado, Carlos Kleiber und Sergiu Celibidache gehörten. Als Orchestra in Residence der Bregenzer Festspiele begeistern die Wiener Symphoniker seit vielen Jahrzehnten zudem ein bunt gemischtes Opernpublikum.

Yulianna Avdeeva
© Christine Schneider
Wiener Symphoniker
© David Payr