Porträtfoto von Anastasia Kobekina
© Julia Altukhova
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Anastasia Kobekina

(Münchener Kammerorchester / Delyana Lazarova)

Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal, Erlangen

Münchener Kammerorchester
Anastasia Kobekina, Violoncello
Delyana Lazarova, Leitung

Fanny Hensel
Ouvertüre in C-Dur

Joseph Haydn
Cellokonzert Nr. 1 in C-Dur Felix

Mendelssohn Bartholdy
Sinfonie Nr. 3 in a-Moll, op. 56

Anastasia Kobekina


Anastasia Wladimirowna Kobekina ist wild und mit ihrem Cello verwachsen: Gerade mal vier Jahre war sie, als sie ihren ersten Cellounterricht erhielt. Das singende, klangvolle Instrument sollte Anastasia Kobekina nie mehr loslassen. 1994 im russischen Jekaterinburg geboren, wuchs sie in einem musikalischen Elternhaus auf: Die Mutter ist Pianistin, der Vater Komponist. Mit zwölf Jahren begann sie ihr Studium am Moskauer Konservatorium, bevor sie ihre Ausbildung unter anderem in Kronberg, Berlin und Paris fortsetzte. Seit 2012 lebt Anastasia Kobekina in Deutschland.

Porträtfoto von Anastasia Kobekina
© Lusine Pepanyan
Porträtfoto von Anastasia Kobekina
© Lusine Pepanyan

Sie wuchs in einem Umfeld auf, in dem Musik zum Alltag, zum Leben gehörte. Gezwungen wurde sie nie zum Üben, sagt sie. Fleißig war sie aus einem inneren Bedürfnis heraus, aus Neugier und Leidenschaft für die Musik. Begeistert führt sie auch immer wieder die Kompositionen ihres Vaters auf, hat seine Werke für Cello eingespielt.

Es spricht für die künstlerische Orientierung der 32-jährigen Musikerin, dass sie mit dem exquisiten Münchener Kammerorchester auftritt. Denn Enrico Onofri, einer der drei Associated Conductors des Münchener Kammerorchesters, verkörpert mit Jörg Widmann und Bas Wiegers geradezu ideal das weite künstlerische Spektrum des Orchesters und den unbändigen Willen, der Musik vom Barock bis heute neue Dimensionen abzugewinnen. Das passt auch zum musikalischen Verständnis der Cellistin.

Insofern darf man gespannt sein, wie Anastasia Kobekina Haydns Cellokonzert in C-Dur mit dem Münchener Kammerorchester umsetzt. Langweilig und verzopft wird das gewiss nicht!

Das Programm mit Mendelssohn Bartholdys 3. Sinfonie im zweiten Teil verspricht schon werkbedingt Vitalität und Beweglichkeit, die bei dem „Schmetterling unter den Münchener Spitzenorchestern“ interpretatorisch zusätzlich spannende Ansätze, Höhenflüge bieten dürfte.

Die Gegenüberstellung mit einem Werk aus der Neuen Musik (bei Drucklegung noch nicht benannt) wird dem Abend zusätzlichen Reiz verleihen: Denn die Münchener sind bekannt und beliebt für ihre abwechslungsreiche Programmdramaturgie.

Die Bilderbuchkarriere mit bedeutenden Wettbewerbserfolgen von Anastasia Kobekina führt die lebhafte und meist vergnügte Cellistin zu berühmten Orchestern (Kremerata Baltica, Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Wiener Symphoniker). In der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen tauchen illustre Namen wie Isabelle Faust, Fazıl Say oder Wladimir Spiwakow, Gidon Kremer und András Schiff auf, um nur einige zu nennen.

Das Reisen mag die junge Cellistin, die hinsichtlich ihres Temperaments durchaus wesensverwandt mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja erscheint, gern. Das Alleinsein auf den Konzertreisen nimmt die Cellistin gelassen als Begleiterscheinung ihrer solistischen Berufung. Nur das permanente Aufpassen auf ihr wertvolles Guadagnini-Cello von 1740 (eine Leihgabe), das sie quasi stets herumträgt, empfindet sie als einschränkend, körperlich anstrengend. Ansonsten versucht sie, neben den Konzertauftritten, auch die Städte ihrer Tourneen zu besichtigen. Wenn möglich, verlängert sie ihren Aufenthalt am Konzertort. Daraus entsteht dann bisweilen auch Inspiration aus der Musik dieser Stadt oder des Landes, wie etwa bei ihrer Einspielung von „Venice“ mit Werken von Monteverdi, Vivaldi und anderen in einer intimen, eigenwilligen Interpretation.

Perfektion und Kreativität sind bei der jungen Russin kein Widerspruch, sondern sorgen für Verblüffung und Begeisterung beim Publikum.

Text: Sabine Kreimendahl