Klaviermarathon
Canto Ostinato von Simeon ten Holt
Mit dem Klavierduo Jeroen van Veen & Irene Russo
Hierzulande dürfte er nur Fans zeitgenössischer Klaviermusik ein Begriff sein, in seiner niederländischen Heimat hat er jedoch einen großen Namen, und sein pianistisches Riesenopus Canto Ostinato ist dort eines der bekanntesten, meistgespielten und auf CD meistverkauften Werke der Neuen Musik überhaupt: Simeon ten Holt, Komponist und Pianist, geboren 1923 (im selben Jahr wie György Ligeti), gestorben 2012 (im selben Jahr wie Hans Werner Henze). Mit Werken in serieller Technik und mit elektronischer Musik reihte sich Holt zunächst in die Avantgarde der 1950er-Jahre ein. Nach 1970 vollzog er jedoch einen radikalen Stilwandel und wandte sich der damals neuen Richtung der Minimal Music zu, die der „alten“ Avantgardemusik einen neuen rhythmischen Schwung verlieh und sie von der Fixierung auf die Atonalität befreite.
Das Initialwerk von Holts Hinwendung zu diesem Stil war jener zwischen 1976 und 1979 entstandene Canto Ostinato, eine damals wie heute spektakuläre Komposition für zwei oder vier Klaviere, basierend auf über 100 rhythmisch-motivischen Zellen, die nach bestimmten Mustern jeweils beliebig wiederholt werden können, sodass die Spieldauer des Werks zwischen zwei und 24 Stunden variieren kann. Von den Ausführenden erfordert dies in jedem Fall die Kraft und Ausdauer von Marathonläufern. Indes ist die Musik von einem unablässigen – eben ostinaten – Drive und jazzigem Swing geprägt, der so mitreißend wie suggestiv ist. Dabei verdichtet sich der Klang und lockert sich wieder auf, wechseln die dynamischen Stärkegrade und die tonal-harmonischen Farben.

© Werkspoorkathedraal 2019 Ligconcert
Bei uns absolvieren den bravourösen Klaviermarathon zwei Größen, die mit diesem
Stil völlig vertraut sind: Jeroen van Veen, niederländischer Pianist und Direktor der
Simeon-ten-Holt-Foundation, der eine 9-CD-Box mit Minimal Music eingespielt hat, und Irene Russo aus Italien, Ex-Schülerin von Lazar Berman und Alicia de Larrocha, von der Klavieraltmeisterin Martha Argerich einst gerühmt als „eine der besten jungen Musikerinnen, die ich gehört habe“, und beim ARD-Musikwettbewerb in München 2002 für „die beste zeitgenössische Interpretation“ ausgezeichnet.
Text: Klaus Meyer

Dieses Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk – BR Franken mitgeschnitten und auf BR-Klassik gesendet.

