AuditivVokal & Gerald Eckert auf der Bühne
© Thomas Kuwinski
, ,

AuditivVokal & Gerald Eckert

kubic (Konzertsaal), Erlangen

AuditivVokal & Gerald Eckert

Johannes Ockeghem
Requiem

AuditivVokal & Gerald Eckert

Das Requiem von Johannes Ockeghem ist ein legendäres Werk. Es gilt als älteste erhaltene mehrstimmige Vertonung der Missa pro defunctis, der lateinischen Totenmesse. Komponiert hat Ockeghem das Requiem vielleicht zum Tod des französischen Königs Karl VII. 1461 oder seines Nachfolgers Ludwig XI. im Jahr 1483, in deren Dienst Ockeghem als einer der damals berühmtesten Sänger aus Flandern stand. Womöglich hat er es sogar für sich selbst geschrieben. Es ist ein vielschichtiges Werk, nur unvollständig überliefert, aber seine stilistische Bandbreite ist riesig – sie reicht von improvisiert anmutenden Passagen in Terz- und Sextparallelen und steigert sich bis zur ausgefeilten, kontrapunktisch verschlungenen Stimmführung im Offertorium.

Der in Nürnberg geborene und in Eckernförde lebende Komponist Gerald Eckert macht Ockeghems Requiem zum Ausgangs- und Bezugspunkt einer eigenen Komposition. Er verknüpft die Sätze der Messe zum einen mit Zwischenmusiken für Stimmen, partiell erweitert durch Elektronik, die jedoch eine eigene Klangfaktur aufweisen.

Andererseits, so Gerald Eckert, „soll die Komposition eine Art Weiterführung, eine Reaktion auf die Unvollständigkeit des Requiems sein, die ihren Ausgangspunkt so definiert, dass Ockeghems Werk als eine Art Strukturgerippe zugrunde liegt, jedoch kaum mehr erkennbar durchscheint.“

Alte und Neue Musik befruchten sich gegenseitig; die über ein halbes Jahrtausend alte Polyfonie der frühen Renaissance gewinnt außerhalb ihrer religiösen Aura neue Perspektiven hinzu. Eine perfekte Konstellation für ein Vokalensemble wie AuditivVokal, das bekannt ist für seinen genreübergreifenden Blick auf Musik und Theater.

Text: Wolfgang Schicker

BR Klassik Logo

Dieses Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk – BR Franken mitgeschnitten und auf BR-Klassik gesendet.