Porträtfoto von Lucas & Arthur Jussen
© Jesaja Hizkia
, ,

Lucas & Arthur Jussen

(WDR Sinfonieorchester Köln / Marie Jacquot)

Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal, Erlangen

WDR Sinfonieorchester Köln
Lucas & Arthur Jussen, Klavier
Marie Jacquot, Leitung

Carl Maria von Weber
Ouvertüre zur Oper „Oberon“

Felix Mendelsohn Bartholdy
Konzert für zwei Klaviere und Orchester Nr. 1 E-Dur

Sergei Sergejewitsch Prokofjew
Cinderella Suite, op. 107

Romantisch!

Lucas & Arthur Jussen, das WDR Sinfonieorchester und Marie Jacquot

„Sie ist die erfolgreichste Dirigentin der nachkommenden Generation“, konstatierte jüngst die Neue Zürcher Zeitung, und im Deutschlandfunk war zu hören: „Sie rauscht am Pult durch die Jahrhunderte der Musikgeschichte genauso wie durch die europäischen Orchester der Spitzenklasse.“ In der Tat! Die französische Dirigentin Marie Jacquot – gerade einmal 35 Jahre jung – kann schon auf eine beachtliche Karriere in Oper und Konzert zurückblicken. Nach ersten Gastdirigaten seit 2022 ist sie ab der Spielzeit 2026/27 Chefin des WDR Sinfonieorchesters. Mit dem kommt sie im Frühjahr 2027 auch zum gVe. Fürs virtuose sinfonisch-konzertante Repertoire hat sie an ihrer Seite das brillante niederländische Klavierduo aus den Brüdern Lucas und Arthur Jussen, die seit 2023 bereits zum vierten Mal in Erlangen gastieren. Für Marie Jacquot ist es das Debüt bei uns.

Vom Tennisschläger zum Taktstock

Eine gebürtige Pariserin ist sie – 1990 kam Marie Jacquot in der Metropole an der Seine zur Welt. Ihre Eltern legten Wert darauf, dass sie und ihre beiden Geschwister schon früh gleichermaßen Sport und Musik machten. Marie erhielt Posaunen- und Klavierunterricht und nahm parallel dazu Tennisstunden. Und hier wurde sie sogleich richtig gut: Als Teenager zählte Marie Jacquot zu den besten Nachwuchsspielerinnen im französischen Tennis und nahm sogar an den Junior French Open im Pariser Roland-Garros-Stadion teil. „Tennis hat mir immer Freude bereitet“, erzählt sie, „doch irgendwann war das Spielerische nicht mehr vorhanden, sondern nur noch der Druck, besser zu sein. Es war nur noch dieser Kampfaspekt da und nicht mehr die Freude am Spielen.“ Mit 16 gab sie die Pläne für eine Profikarriere im Tennis auf und wandte sich ganz der Musik zu. Am Pariser Conservatoire studierte sie zunächst Posaune, danach Dirigieren an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien sowie an der Franz-Liszt-Musikhochschule in Weimar. Außerdem nahm sie an Meisterkursen von Simon Rattle, Bertrand de Billy, Zubin Mehta und anderen teil. An der Bayerischen Staatsoper war sie Assistentin von Kirill Petrenko bei der Einstudierung der Oper „South Pole“ von Miroslav Srnka.

Lucas & Arthur Jussen sitzen auf einem Stuhl
© Jesaja Hizkia
Porträtfoto von Marie Jacquot

©Julia Wesely

Karrierestart in Franken

Ihre berufliche Laufbahn als Dirigentin mit erster Festanstellung begann Marie Jacquot in unserer Region: Von 2016 bis 2019 war sie Erste Kapellmeisterin und Stellvertreterin des Generalmusikdirektors am Mainfranken Theater Würzburg. Anschließend wechselte sie als Kapellmeisterin an die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf, wo sie bis 2022 blieb. 2023 wurde sie Erste Gastdirigentin der Wiener Symphoniker. 2024 avancierte sie daneben zur Chefdirigentin des Royal Danish Orchestra und damit zur Chefin der Königlich Dänischen Oper Kopenhagen. Mit Beginn der Spielzeit 2026/27 ist sie zudem Chefdirigentin des WDR Sinfonieorchesters in Köln. Als Gast stand Marie Jacquot auch am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, der Staatskapelle Dresden und des Gewandhausorchesters Leipzig sowie der Göteborgs Symfoniker in Schweden und des Dallas Symphony Orchestra in den USA.

Ein Herz für die deutsche Romantik

Marie Jacquot verfügt über ein reiches und stilistisch breit gefächertes Repertoire. Der Kern liegt in der Musik vom Barock bis zur Moderne des 20. Jahrhunderts – von Purcell bis Prokofjew –, doch dirigiert sie auch immer wieder zeitgenössische Musik unserer Tage. Freilich hat sie auch ihre Faibles und Favoriten. „Bruckner hat einen besonderen Platz in meinem Herzen“, gesteht die Musikerin, die ihren Hauptwohnsitz in Graz hat. „Auch Richard Strauss gehört dazu“, fügt sie hinzu und resümiert: „Meine große Vorliebe liegt in der deutschen Romantik – manchmal habe ich das Gefühl, dass ich eine deutsche Seele besitze.“

© Marco Borggreve
© Marco Borggreve

Oberons Horn und vier Hände für Mendelssohn

Auch das Konzert in Erlangen im April 2027 steht im ersten Teil ganz im Zeichen der deutschen Romantik – der deutschen Frühromantik. Carl Maria von Weber, der Schöpfer der deutschen romantischen Oper, ist mit der Ouvertüre zu seinem letzten Bühnenwerk vertreten, der Feenoper „Oberon“ von 1826. Sie erzählt eine verwickelte Geschichte um den Elfenkönig Oberon mit seinem wundertätigen Zauberhorn und die Feenkönigin Titania. Mit schlagkräftiger Operndramatik und romantischer Stimmungsmalerei führt die Ouvertüre in die turbulente Handlung. Bereits 1823 entstand das E-Dur-Konzert für zwei Klaviere und Orchester von Mendelssohn. Er komponierte es im Alter von 14 Jahren für den 18. Geburtstag seiner Schwester Fanny und griff dazu tief in die Trickkiste des virtuosen Klavierspiels aus Bravourläufen, schnellem Passagenwerk und vollgriffigen Akkorden – eine Steilvorlage für das Jussen-Klavierduo. „Felix und Fanny waren Superpianisten, und das merkt man auch“, sagt Arthur Jussen. „In dem Stück hört man, wie die beiden miteinander reden und manchmal dabei auch ins Streiten kommen: Ich kann es besser! – Nein, ich kann es besser. Ich kann es sogar noch mehr!“ Die Antwort? Lucas und Arthur Jussen können es am besten!

Schöne Stellen am laufenden Band

Aus der deutschen Frühromantik des ersten Teils des Abends geht es nach der Pause in die Neoromantik der Musik um 1940. Romantisch bleibt’s in jedem Fall! Neben „Romeo und Julia“ ist „Cinderella“ (oder „Aschenbrödel“) die berühmteste und bekannteste Ballettmusik von Sergei Prokofjew, einem der großen Klassiker der Musik des 20. Jahrhunderts. Aus dem abendfüllenden Märchenballett op. 89 stellte Prokofjew später drei Orchestersuiten für den Konzertgebrauch zusammen. Sie präsentieren die schönsten Stellen und größten Hits des Balletts gewissermaßen am laufenden Band oder – anders ausgedrückt – wie die Perlen an einer Kette aneinandergereiht.