Portraitfoto von Joshua Bell
© Benjamin Ealovega
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Joshua Bell

(Academy of St Martin in the Fields)

Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal, Erlangen

Academy of St Martin in the Fields 
Joshua Bell,
Violine und Leitung

Antonin Dvořák
Romanze für Violine und Orchester in f-Moll, op. 11

Max Bruch
Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll, op. 26

Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 2 D-Dur, op. 73

Rudolf Kempe Unternehmensgruppe Logo

Joshua Bell

Der Geiger und Dirigent Joshua Bell ist ein international agierender, musikalischer Botschafter, der mit seiner Ausstrahlung, seiner publikumszugewandten, grandiosen Musizierweise die Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Der sechste (!) Auftritt des gefeierten Geigerweltstars in Erlangen dürfte zusammen mit seinem Orchester, der Academy of St Martin in the Fields, weit über die treue Fangemeinde hinaus Publikum anziehen. Die Kunde von Joshua Bells ansprechender Programmgestaltung und der lebendigen Interpretation zusammen mit der Academy of St Martin in the Fields bleibt hörenswert, erlebnisreich – immer wieder!

Oft bekommt der 59-jährige Amerikaner Bell die Frage gestellt: „Dirigieren und gleichzeitig als Solist auf der Bühne stehen … Wie geht das?“ Auch in diesem Konzert wird Bell das Bruch-Violinkonzert als Solist zusätzlich dirigentisch leiten. Joshua Bell erklärte das in einem Interview: „Ich habe bereits die Violinkonzerte von Mendelssohn, Brahms (2026 in Erlangen) und sogar das Doppelkonzert von Brahms in dieser Doppelfunktion aufgeführt. Es wirkte alles sehr organisch, besonders mit den Musikern der Academy of St Martin in the Fields, die außergewöhnlich gut zuhören können. Ich genieße es, mich nicht mehr nach der Meinung anderer Dirigenten richten zu müssen oder nach deren limitiertem Zeitbudget. Ich wähle sozusagen meine eigenen Schlachten, wie man so schön sagt. Aber es bedeutet mehr Arbeit, weil ich mich nicht nur mit meinem Geigenpart auseinandersetzen muss, sondern mit dem eines ganzen Orchesters. Mit der Academy of St Martin in the Fields bin ich ein besserer Musiker geworden!“

Joshua Bell stehend mit Geige
© Benjamin Ealovega
Joshua Bell mit Geige und lächelt entspannt in die Kamera

© Phillip Knott.

Im sinfonischen zweiten Teil geht Bell mit der Academy die 2. Sinfonie von Brahms an. Auch da wird manches neuer, ungewohnter und auf jeden Fall springlebendig klingen.

Gespannt sein darf man auf das „moderne Werk“ vor dem Bruch-Violinkonzert. Meist sind es Auftragskompositionen von Bell oder der Academy. In der Saison 2025/26 war es Kevin Puts’ wunderbarer Satz „Earth“ und wurde begeistert vom Publikum aufgenommen. Bell gesteht: „Ich bin da sehr altmodisch. Ich will etwas Schönes. Provokativ oder interessant reicht einfach nicht.“ Damit trifft und erweitert er – unabhängig von Diskussionen um Neue Musik – bei vielen Konzertbesuchern den Programmgeschmack, ohne trivial zu sein.

Es ist nicht nur praktisch, wenn der Solist zugleich Orchesterleiter ist und seinen orchestralen Partner seit Jahrzehnten kennt, sondern es bringt auch eine musikalische Vertrautheit mit sich, von der alle Seiten – Solist, Orchester und Publikum – profitieren. Seit 2011/12 leitet Joshua Bell das vielleicht berühmteste Kammerorchester, die Academy of St Martin in the Fields. Er ist Nachfolger des legendären Gründers Neville Marriner. Es fließt eine „andere Energie“, bestätigt Bell, wenn er auf seiner berühmten Stradivari Gibson ex Huberman von 1713, oft als Primus inter pares, vom ersten Pult aus das Orchester leitet. Die Musiker scheinen zufrieden: Sie haben Joshua Bells Vertrag als Musikdirektor bis 2028 verlängert.

© Shervin Lainez
© Lisa Marie Mazzucco

Joshua Bell ist ein Fan neuer Technologien. Wird KI eines Tages den Komponisten, den Dirigenten ersetzen? Bell zweifelt: „Ich liebe KI, bin fasziniert davon, aber auch besorgt, dass unser Alltag immer mehr von Smartphones und Algorithmen beherrscht wird. Es beruhigt mich, dass wir noch in Sinfoniekonzerte gehen, weil da bis zu 100 echte Menschen auf der Bühne Musik von echten Menschen auf Instrumenten spielen, die teilweise vor 300 Jahren von Menschenhand gefertigt wurden. Wenn uns gesagt würde, die Sinfonie sei von KI komponiert, die Musiker seien Roboter und der Dirigent ein Algorithmus, dann glaube ich nicht, dass dies beim Zuhörer eine emotionale Reaktion hervorrufen würde.“
So kann der gVe darauf vertrauen, dass Joshua Bell weiterhin in persona auftritt, musiziert, begeistert.

Text: Sabine Kreimendahl