Dream-Team mit starken Stücken
Sol Gabetta, die Bamberger Symphoniker und Jakub Hrůša
2026 ist für die Bamberger Symphoniker und ihren tschechischen Chefdirigenten Jakub Hrůša ein großes Jubel- und Jubiläumsjahr: 1946 gegründet, feiert das Weltklasseorchester aus Franken seinen 80. Geburtstag, und sein international vielbejubelter Chef, der mit der Konzertsaison 2016/17 sein Amt in Bamberg antrat, kann auf zehn Jahre erfolgreiche Tätigkeit an der Spitze des Orchesters zurückblicken. Bei der glanzvollen Jubiläumsgala im März dieses Jahres wurden die Bamberger Symphoniker mit gleich drei großen Preisen geehrt: Die International Classical Music Awards, ein kurz ICMA genanntes Netzwerk von Musikmagazinen und Radiostationen, verliehen dem Orchester den Special Achievement Award und einen Preis für die Aufnahme von Bruckners 9. Sinfonie mit Herbert Blomstedt. Der Chefdirigent Jakub Hrůša wurde zum Artist of the Year gekürt. Was er mit den Worten kommentierte: „Die Dirigenten sind nichts ohne Orchester, deswegen gehört diese Auszeichnung, besonders weil meine Hauptaktivität in den letzten zehn Jahren hier in Bamberg war, eigentlich den Bamberger Symphonikern.“
Ein armer Kerl? Von wegen!
Geboren wurde Jakub Hrůša 1981 in Brünn. „Wir waren keine Musikerfamilie, aber Musik und Kultur, Kunst, Theater und Oper – all diese Dinge gehörten zum täglichen Leben. Mein Vater ist Architekt. Wir hatten immer viele Bücher und Schallplatten zu Hause. Aber keinen Fernseher! Für meine Freunde in der Schule sah es so aus, als sei ich ein armer Kerl, weil mir dieses Entertainment nie zur Verfügung stand.“ Während der Schulzeit begann Jakub Hrůša, Klavier und Posaune zu spielen. Nach dem Abitur studierte er dann im Hauptfach Dirigieren an der Akademie der Musischen Künste in Prag und an der Universität der Künste in Berlin. Sein wichtigster Lehrer und großer Mentor war der mittlerweile verstorbene tschechische Dirigentenaltmeister Jiří Bělohlávek.
Bamberg und die Welt
Nach Assistenztätigkeiten bei der Tschechischen Philharmonie und dem Orchestre Philharmonique de Radio France übernahm Jakub Hrůša erste Chefdirigentenpositionen – von 2005 bis 2006 bei der Bohuslav Martinů Philharmonie in Zlín, von 2008 bis 2015 bei der Pražská komorní filharmonie (PKF, Prague Philharmonia). Daneben gab er seine Debüts als Operndirigent in Wien, Paris, Frankfurt, Prag und London. Mit der Profilierung als Chef der Symphoniker in Bamberg nahm Jakub Hrůšas Karriere einen zunehmend steilen Verlauf. Mittlerweile stand er am Pult von de facto allen prominenten Spitzenorchestern in Europa, in den USA sowie in Japan und arbeitete dabei mit vielen Solostars zusammen. 2022 debütierte er mit Janáčeks Oper „Katja Kabanowa“ bei den Salzburger Festspielen. Neben seiner Tätigkeit an der Spitze der Bamberger Symphoniker ist er seit 2025 auch Chef des Royal Opera House im Londoner Covent Garden und wird 2028 zudem die Position des Chefdirigenten und Musikdirektors der Tschechischen Philharmonie in Prag übernehmen. Jakub Hrůša, der mit einer Anwältin verheiratet ist und mit ihr zwei Kinder hat, wohnt hin- und herpendelnd an seinen Hauptwirkungsstätten: „In London verbringt meine Familie die meiste Zeit, meine Kinder gehen da in die Schule. In Prag haben wir auch ein Haus. Viel Zeit verbringe ich in Bamberg. Dort ist ohne Frage auch ein wichtiges Zentrum für mich.“


© Marian Lenhard
Maestra, Maestro und die Bambis
Zum Entrée ins Jubiläumsjahr 2026 gingen die Bamberger Symphoniker und Jakub Hrůša Ende Januar dieses Jahres auf eine Spanientournee, die von Madrid weiter nach Gran Canaria und Teneriffa und zum Abschluss nach Santander führte. Als Starsolistin mit dabei: Sol Gabetta, die glorreiche Cello-Maestra, die wie Jakub Hrůša 1981 zur Welt kam. Das Dream-Team aus Maestra, Maestro und den Bambis (wie ja manche Fans die Bamberger Symphoniker liebevoll nennen) ist Anfang März 2027 auch beim gVe zu erleben – an einem großen Abend mit „starken Stücken“, die echte Entdeckungen für das Publikum parat halten und in ihrer Auswahl die unverkennbare Handschrift der Solistin wie des Dirigenten tragen.
Virtuosität und Expression
Sol Gabetta, die nach 2012, 2015, 2024 und 2026 nunmehr zum fünften Mal bei uns in Erlangen zu Gast ist, hat für März 2027 ein Werk im Gepäck, das zu ihren absoluten Paradestücken gehört: die Hebräische Rhapsodie „Schelomo“ von Ernest Bloch, der zentralen Gestalt der authentischen jüdischen Kunstmusik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die durch Worte der Weisheit des alttestamentarischen Königs Salomo inspirierte Rhapsodie ist eines der eindrucksvollsten, bewegendsten und schönsten Werke der sinfonisch-konzertanten Weltliteratur für Violoncello und Orchester – hypervirtuos, klanglich raffiniert und überwältigend ausdrucksstark zugleich.
Toller Sound und Super-Swing
Eröffnet wird der Abend von Beethovens sinfonischem Erstling, der – 1800 vollendet – das Tor zur Sinfonik des 19. Jahrhunderts aufstieß. Zum Abschluss des Abends dirigiert Jakub Hrůša Musik eines Komponisten, der ihm besonders am Herzen liegt: Bohuslav Martinů – nach Smetana, Dvořák und Janáček der letzte der vier großen tschechischen Nationalklassiker. Aus völlig unerklärlichen Gründen fristet Martinů nach wie vor hierzulande ein Schattendasein in den Konzertsälen – vor allem seine sechs großen Sinfonien, die zwischen 1941 und 1953 hauptsächlich in den USA entstanden, zu einer Zeit, als sich Martinů vom musikalischen enfant terrible der Goldenen Zwanziger zu einer Art Neoromantiker gewandelt hatte. Die 4. Sinfonie aus dem Jahr 1945 präsentiert besten Martinů: Böhmischer Furiant, amerikanischer Ragtime und französische Klangsinnlichkeit verbinden sich zu einer funkensprühenden kosmopolitischen Mixtur. Am Ende verwandelt sich der Slawische Tanz à la Dvořák in eine Cowboymusik à la Copland – Elmer Bernstein hat hier für seinen Soundtrack zu „Die glorreichen Sieben“ gelernt, genauso wie der Komponist der legendären Werbemusik für eine wohlbekannte amerikanische Zigarettenmarke.
Grandios!
Text: Klaus Meyer


